
Die Wissenschaftler nutzten dafür das Mineral Struvit, ein kristallines, farbloses Ammoniummagnesiumphosphat. Sie nahmen ein Enzym, das sie aus den Kernen von Wassermelonen gewinnen, um die Kristallisation des Struvits in einer wässrigen Suspension mit Sägemehl zu kontrollieren. Dadurch entstehen grosse Kristalle, welche die Hohlräume zwischen den Sägemehlpartikeln ausfüllen und die Partikel fest miteinander verbinden. Das für zwei Tage verpresste Material wird anschliessend aus der Form genommen und bei Raumtemperatur getrocknet.
Das Material eignet sich aufgrund seiner mechanischen Eigenschaften und der hohen Feuerfestigkeit vor allem für den Innenausbau. Struvit ist nicht nur nicht brennbar, sondern trägt aktiv zur Erhöhung der Feuerfestigkeit bei. Unter Hitze zersetzt sich das Mineral, dabei werden Wasserdampf und Ammoniak freigesetzt. Dies ist ein Vorgang, der Wärme aus der Umgebung aufnimmt und dadurch kühlend wirkt. Zudem verdrängen die freigesetzten Gase die Luft, die so dem Feuer zur weiteren Ausbreitung fehlt. Tests bestätigten diese Eigenschaft: Während unbehandeltes Fichtenholz bereits nach etwa 15 Sekunden Feuer fängt, dauert es beim Struvit-Sägemehl-Komposit mehr als dreimal so lang. Es könnte die gleiche Brandschutzklasse erreichen wie zementgebundene Spanplatten.
Ein weiterer Vorteil ist, dass das Material wieder in seine Einzelkomponenten zerlegt werden kann. Somit könnte es einst einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten. Noch ist Struvit allerdings verhältnismässig teuer. Doch: Struvit fällt in grösseren Mengen in Kläranlagen an und verstopft dort die Abwasserrohre. Diese Ablagerungen könnten in Zukunft als Ausgangsmaterial verwendet werden.
1 https://doi.org/10.1016/j.checir.2025.100004
Meldung aus factum 03/2026