
Belém, eine Grossstadt im Norden Brasiliens mit rund 1,5 Millionen Einwohnern, Schauplatz der 30. Weltklimakonferenz (COP30) vom 10.–21. November 2025. Angesichts dieser Dimension erscheint es plausibel, den Zustrom der 50 000 Konferenzteilnehmer mit der vorhandenen Infrastruktur bewältigen zu können. Weit gefehlt: Um den Verkehr für die Teilnehmer zu erleichtern, wurde eigens für die Konferenz eine über zehn Kilometer lange vierspurige Autobahn gebaut – mitten durch den Amazonas-Regenwald hindurch. Mutmasslich 100 000 Bäume sollen dieser Schnellstrasse zum «Opfer» gefallen sein. Bäume fällen fürs Klima. Klingt logisch.
Wie üblich sind nicht wenige Spitzenpolitiker und Protagonisten mit Privatjets angereist, so auch der Schweizer Umweltminister Albert Rösti, der den Bundesratsjet Bombardier Global 7500, bekannt als «Palast der Lüfte», für seine Reise wählte. Die Weltwoche rechnete vor, dass bei einem Verbrauch von 5,4 Tonnen CO2 pro Stunde und einer konservativ geschätzten Reisezeit für Hin- und Rückflug mindestens 108 Tonnen ausgestossen worden sind. So weit, so normal, wird manch einer sagen.
Der Wind hat gedreht
Und doch: An der COP30 war einiges anders als in den Jahren zuvor. Haben Sie überhaupt mitbekommen, dass die Konferenz stattgefunden hat? Verglichen mit früheren Konferenzen war die mediale Berichterstattung bescheiden. Weltuntergangswarnungen und Handlungsaufforderungen an Politik und Regierungen sind weitgehend ausgeblieben. Pilgerten vor zwei Jahren noch fast 90 000 Delegierte und Beobachter zur COP28 nach Dubai, waren es nun noch rund 50 000. Ebenfalls bemerkenswert: Kein Staatschef der vier grössten CO2-Emittenten China (33 Prozent), USA (12 Prozent), Indien (8 Prozent) und Russland (5 Prozent) kam nach Belém. Und das nur zehn Jahre nach dem als Durchbruch gefeierten Pariser Klimaabkommen (2015) und obwohl Klimaaktivisten und Politiker die 2020er-Jahre eigentlich als das «entscheidende Jahrzehnt» im Kampf gegen die Erderwärmung ausgerufen hatten.
Fünf Jahre später steht fest: Der Wind hat gedreht. Die New York Times titelte bereits vor der Konferenz: «Die ganze Welt hat genug von der Klimapolitik», und WELT-Wissenschaftsredakteur Daniel Wetzel schrieb von einem «Zeichen für das Ende einer ganzen Ära». Er bezeichnete die Stimmung an der Konferenz als «ungewohnt verhalten» und sprach gar von «Auflösungserscheinungen», die die Weltklimakonferenz prägten. Und das aus gutem Grund. Der nur wenige Tage vor der Konferenz veröffentlichte Sachstandsbericht des UN-Umweltprogramms (UNEP)1 zeigt nämlich: Das selbstgesteckte Ziel, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, ist nicht mehr zu erreichen (falls es denn überhaupt möglich sein sollte, die Temperatur des Planeten Erde zu steuern). Die Temperaturschwelle werde spätestens Anfang der 2030er-Jahre unvermeidlich überschritten. Auch kommen die meisten der 198 Mitgliedstaaten den Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen nicht mehr nach. UN-Generalsekretär António Guterres stellte konsterniert fest: «Die harte Wahrheit ist, dass wir es nicht geschafft haben, sicherzustellen, dass der Temperaturanstieg unter 1,5 Grad bleibt.»
Das Thema «Klimaschutz» ist auf der Prioritätenliste der Entscheider und Bürger in vielen Ländern weit hinter Wirtschaft, Wohlstand und Sicherheit zurückgefallen. Auch die Europäische Union ist in der Klimafrage mehr und mehr zerstritten, was das neue Klimaziel zeigt: Erstmals reichte Brüssel bei der UN kein konkretes CO2-Sparziel mehr ein, sondern nur noch eine Bandbreite. So können die EU-Mitgliedsstaaten nun wählen, ob sie ihre Emissionen bis 2035 um 72,5 Prozent gegenüber 1990 senken wollen – oder doch nur um 66,25 Prozent. Der untere Rand ist mit dem Pariser Abkommen nicht vereinbar.
1 https://www.unep.org/resources/emissions-gap-report-2025
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