Der 7. Oktober hat Israel auch geistlich verändert, viele Menschen fragen nach Gott. Doch die Nationen, der Westen, wenden sich von Israel ab. Christen müssen wissen, wo sie stehen.
Thomas Lachenmaier
3. Januar 2026

 «Normalerweise bitten Menschen Gott um Dinge, wenn sie mit ihm sprechen – Gesundheit, oder dergleichen. Aber niemand fragt Gott: ‹Wie geht es dir?› Also begann ich damit, zu sagen: ‹Hashem, Gott, wie geht es dir? Vater, wie geht es dir? Wie war dein Tag, Vater? Brauchst du etwas? Sag mir, wenn du etwas brauchst.› Und dann sagte ich: ‹Danke! Danke für alles, was du mir gegeben hast, für die Luft in meinen Lungen. Für das Essen, auch wenn es nur eine halbe Scheibe Pitabrot am Tag ist. Danke für alles. Für alles. Das ist, was ich habe.›» Dieses Gebet sprach Omer Shem Tov in einem Verlies 40 Meter unter der Erde, in Gefangenschaft.

«Meine Arme konnte ich nicht seitlich ausstrecken, so eng war es. Lange Zeit herrschte völlige Dunkelheit. Aber gerade in dieser Dunkelheit fand ich das meiste Licht», so Omer. In Verzweiflung, Hunger und Schmerz, sei er immer wieder von reinstem Licht umgeben gewesen. Jetzt, wieder in Freiheit, vermisse er dieses Licht, das er gesehen habe, sehne sich nach der innigen Verbindung zu Gott, die er so machtvoll wie nie zuvor erfahren habe. Heute pflege er die Verbindung zu Gott, spreche mit Gott, bete. Jetzt hört und sieht ganz Israel die Berichte der Freigekommenen und den jungen Omer, wenn er sagt: «Egal was ist, wie die Umstände sind: Hab Dankbarkeit. Sag Danke. Wenn du sagst: ‹Gesegnet sei der Herr›, dann wird der Herr mit dir sein! Gesegnet sei der Herr!» 

Viele Geiseln, auch ganz säkulare wie Keith Siegel, berichten von Glaubenserfahrungen. Or Levy, der 491 Tage verschleppt war und sich als bis dahin «nicht besonders gläubig» beschreibt: «Man könnte meinen, dass man in der Hölle der Hamas sein bisschen Glaube vollends verliert – aber für mich bedeutete es das Gegenteil.» Er wurde auf das Brutalste misshandelt, war verletzt. Die Terroristen ermordeten seine Frau Anav. Zuerst war er in einer Wohnung eingesperrt, dann in einem Tunnel, oft in völligem Dunkel; Schmerzen, Hunger. Er bereitete sich auf die Möglichkeit vor, dass sein zweijähriger Sohn ihn nicht mehr erkennt, falls er zurückkehrt. In der Verzweiflung habe er zu Gott gesprochen. Immer, wenn er innerlich kapitulieren wollte, geschah etwas Gutes, ein Stückchen Pitabrot, etwas zu Trinken. Sein Sohn, inzwischen dreieinhalb Jahre alt, erkannte ihn: «Papa, Papa», rief er und warf sich ihm in die Arme. «Dann fragte er mich, warum es so lange gedauert habe, zurückzukommen.» Und dann, berichtet Or Levy, fragte er: «‹Wo ist Mama?› In diesem Moment fing ich an zu weinen. Und dann beantwortete er selber seine Frage und sagte: ‹Mama ist tot.› Ich musste noch mehr weinen. Dann umarmte er mich.»

Ari Abramowitz, ein Rabbiner, der an der Sendung «The Israel Guys» mitwirkt, sagt: «Gott nimmt Menschen, die oberflächlich betrachtet am weitesten von ihm entfernt zu sein scheinen, damit sie, wenn er sie aus diesen Tiefen der Dunkelheit zurückbringt, die ganze Nation inspirieren. Das ist, was heute geschieht.» Sein Kollege Jeremy Gimpel ergänzt: «Als die Menschen, für die man gebetet und um die man sich gesorgt hatte, ihre Stärke, ihre Glaubenserfahrungen mit uns teilten, die sie an den finstersten Orten gemacht haben: Das hat das ganze Land erschüttert. Sie tun mehr für Israel, als irgendein Rabbiner tun könnte.» Er habe angenommen, so Abramowitz, dass die Geiseln völlig zerstört nach Hause kämen, kaum noch in der Lage, einen Satz zu formulieren. «Und ja», stellt er fest, «sie waren zerbrochen, aber dieses Gebrochen-Sein ist das, von dem David sprach, Gott ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind (vgl. Ps. 34). Also hat er sie zerbrochen und sie seither mit seinem Licht erfüllt auf eine Art und Weise, wie nur Er das tun kann. Und das strahlt auf das ganze Land aus.» Seit dem 7. Oktober wenden sich viele Israelis dem Gott der Bibel zu. Der lebendige, wahre Gott spielt in Israel für das Leben von mehr Menschen eine zunehmende Rolle als in jedem anderen westlichen Land. Auch erkennen immer mehr Israelis in Jesus ihren Messias.

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