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von Monika Hausammann
USA/Iran: Wie wirklich ist die Wirklichkeit diesmal?
Hinweis der factum-Redaktion: Donald J. Trump, Präsident der Vereinigten Staaten, der Meister der «Deals», der es auch versteht, meisterhaft zu bluffen, um sein Ziel zu erreichen. Die Vereinbarung mit dem Terror-Regime im Iran, die jetzt unter Dach und Fach zu sein scheint, gleicht einem Fiasko für die amerikanischen, für die westlichen Interessen. Das war die Klage in unserem gestrigen Kommentar «Mr. President: Lesen Sie Offenbarung 18!». Aber kann es auch ganz anders sein? Sind wir in diesen Tagen Zeugen eines neuen Bluffs, einer Finte, mit welcher der US-Präsident die iranische Führung von seinen wahren Plänen zu einem Sturz des Regimes ablenken will? Unsere Autorin spielt dieses Szenario durch.
Die Nachricht: «Trump, Teheran und Pakistan verkünden ein Friedensabkommen zwischen den USA und Iran», meldete der Blick zum Wochenstart. Die Absichtserklärung würde zunächst virtuell unterzeichnet. Die offizielle Zeremonie würde am Freitag in der Schweiz erfolgen (Hinweis der factum-Redaktion: Das Abkommen wurde in der Nacht vom 17. auf den 18. Juni digital unterzeichnet. Ob es noch zu einem Treffen in der Schweiz kommt, ist Stand 18. Juni, 10:00 Uhr noch offen). Das Memorandum of Understanding (MOU) sieht unter anderem die sofortige Beendigung der militärischen Operationen und die Öffnung der Strasse von Hormus vor. Im Rahmen einer 60-Tage-Frist sollen weitere Schritte betreffend hochangereichertes Uran, Entschädigungsfonds, etc. folgen.
Der Kommentar: Nach rund 40 ähnlichen medial verbreiteten Ankündigungen der US-Administration, Trumps und «pakistanischer Quellen» soll diese nun wahr und echt sein. Bereits am Freitag soll das MOU in der Schweiz unterzeichnet werden. Nüchtern betrachtet heisst das: Es wurde virtuell die Vereinbarung getroffen, eine rechtlich nicht bindende Vereinbarung zu treffen, die bestenfalls als Rahmen für weitere Verhandlungen dient.
Und obschon das mehr ist, als es bisher gab – es sind auch diesmal nur Worte. Es werden entgegen allen mündlichen Zusagen oder Berichten vorerst ganz sicher keine echten Gelder fliessen. Und so wie es aussieht, ist auch sonst vieles nicht echt oder wird nicht als echt wahrgenommen: Der Dollar-Index klebt weiter über der Marke von 99 und signalisiert eine nicht wirtschaftlich, sondern geopolitisch begründete Stärke der US-Währung (sicherer Hafen). Der Ölpreis weigert sich aktuell noch, nachhaltig unter 80 Dollar zu fallen, was er bei einer echten Entspannung eigentlich tun müsste. Und die Kurse 10- und 30-jähriger Staatsanleihen schliesslich bewegen sich nicht in einem Mass, das einen «Deescalation Trade» und eine echte Entspannung signalisieren würde.
Natürlich sind diese Indikatoren auch von anderen Faktoren abhängig: Geldpolitik, Wirtschaftslage, Lagerbestände und so weiter. Aber auffallend ist es schon. So auffallend, dass man sich die Frage stellen muss: Ist dieser «diplomatische Durchbruch» bloss eine weitere Inszenierung? Wie die 39 falschen zuvor, die «nur» den Ölpreis bewegten – und zwar immer nach unten? Dient er der US-Administration lediglich dazu, den aktuell schlechten Umfragewerten vor den Zwischenwahlen und vor dem Hintergrund des grössten Börsengangs der Geschichte kurz- und mittelfristig etwas Positives gegenüberzustellen? Die Börsenkurse steigen, SpaceX hat innerhalb von Tagen Hunderte Milliarden an Börsenkapitalisierung hinzugewonnen, die Anleger jubeln und ausserdem läuft die Fussball WM.
Sicher erscheint mir zurzeit dies: Kluge Investoren werden diese Rally bei den aktuellen Bewertungen nicht kaufen. Im Gegenteil: Sie werden die blinde Begeisterung gerade so weit treiben, bis sie sie nutzen können, um der Masse der Kleinanleger ihre Aktien mit maximalem Gewinn zu verkaufen, bevor die Falle zuschnappt und es zu einem Blutbad an den Börsen kommt. Dass der Auslöser ein scheiterndes MOU sein kann – was auch PR-mässig praktisch wäre, da man dann im Iran schon einen Schuldigen hätte –, erscheint zumindest denkbar.
Denn Hand aufs Herz: Glaubt irgendjemand wirklich, die USA würden diese totale strategische Niederlage hinnehmen? Die Kontrolle über den Nahen Osten und die Strasse von Hormus dem Mullah-Regime überlassen und Reparationszahlungen für den Wiederaufbau von Hunderten Milliarden organisieren? Den Gottesstaat in aller Ruhe an der Atombombe herumlaborieren, weiter Terror finanzieren und die Auslöschung Israels fordern und fördern lassen? Und den Chinesen und den Russen ganz nebenbei noch die Botschaft übermitteln, dass die Streitkräfte der USA und Israels im Verbund nicht in der Lage sind, eine Regionalmacht wie den Iran zu besiegen?
Wie 99,9 Prozent der Menschen kann auch ich nicht hinter die Kulissen sehen und Wahrheit von Inszenierung unterscheiden. Umso mehr sind wir aufgefordert, alles zu prüfen und das Gute zu behalten. Nur das Gute – sprich: das Wahre. Keine Präsidentenversprechen, keinen giergetriebenen Hype und keine hehren Politikerworte.
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