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von Carola Eissler

Mensch

Anschlag auf Stromnetz: Reutlingen im Blackout

Bislang unbekannte Täter haben in der Nacht von Sonntag auf Montag einen verheerenden Anschlag auf ein Umspannwerk der Stadt Reutlingen, südlich von Stuttgart, verübt und einen grossflächigen Blackout im Stromnetz der 119 000-Einwohner-Stadt sowie etlicher umliegender Kommunen verursacht.

Auch Telefon- und Mobilfunknetze waren stundenlang gestört. Rund 40 000 Einwohner blieben den ganzen Montag und bis in den Dienstag hinein ohne Strom, Hunderte von Firmen und Gewerbebetrieben, darunter auch die Weltfirma Bosch, konnten nicht mehr produzieren. Auch das Kreisklinikum Reutlingen war betroffen, lief nur noch im Krisenmodus und musste alle geplanten Operationen verschieben. Betroffene Supermärkte leerten die Regale und warfen tonnenweise Lebensmittel in den Müll, weil die Kühlkette unterbrochen war. Der Schaden beträgt laut Stadtverwaltung mehrere Millionen Euro. Eine Hundertschaft von Polizisten war auch in der vergangenen Nacht im Einsatz, um befürchtete Plünderungen zu verhindern. Nachdem bis Dienstagabend alle Haushalte wieder am Netz waren, müssen die Betriebe in einem grossen Gewerbegebiet bis voraussichtlich Mittwochabend warten, bis sie wieder Strom haben.

Die Täter hatten einen Zaun um das Gelände des Umspannwerks zerschnitten und an vier Stellen Brände gelegt. Die Ermittler fanden Hinweise auf Brandbeschleuniger. Das gesamte Umspannwerk wurde ein Opfer der Flammen, die meterhoch in den Nachthimmel schlugen. Inzwischen ermittelt der Staatsschutz zusammen mit dem Antiterrorzentrum des Landeskriminalamts wegen vorsätzlicher Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe. Die Ermittler sehen Parallelen zu ähnlichen Anschlägen auf den Technologiepark Adlershof in Berlin im Herbst vergangenen Jahres und vor allem zum Sabotageakt in Berlin-Lichterfelde Anfang des Jahres, der 45 000 Einwohner tagelang in Kälte, ohne Strom und ohne Wasser gefangen hielt. Eine solche mögliche Verbindung bestätigte am Dienstag ein Sprecher des Landeskriminalamts Baden-Württemberg. Linksextremisten hatten sich damals zu beiden Anschlägen bekannt.

Seit geraumer Zeit häufen sich die Angriffe auf die kritische Strom-Infrastruktur. Gleichzeitig werden immer wieder Anschläge auf Bahnstrecken verübt, Stellwerke in Brand gesetzt, Kabel durchtrennt. Die Täter verfügen in allen Fällen über ausgewiesenes Fachwissen und Insiderkenntnisse, denn sie greifen die Strom- und auch Bahnnetze genau an den neuralgischen Punkten an, um grösstmöglichen Schaden zu verursachen. Dass Menschenleben in Gefahr kommen, ist ebenfalls einkalkuliert.

Noch liegt kein Bekennerschreiben zum Anschlag in Reutlingen vor. Die Ermittler rechnen damit, dass in den nächsten Tagen im digitalen Raum und auf linken Szeneplattformen Hinweise zu finden sein werden. Denn die Täter wollen bekanntlich nicht nur Schaden anrichten, sondern auch auf sich und ihre ideologischen Motive aufmerksam machen.

Hinweis: Lesen Sie hier den Kommentar von Carola Eissler.

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