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von Ulrich Sahm
Wie ein buntes Wellenmeer
Im Jahr 1999 hatten Palästinenser im Süden des Tempelbergs bei den sogenannten Ställen des Salomon gewaltige Mengen Abraum ausgehoben, um die grösste unterirdische Moschee der Welt zu errichten. Anstatt das historische bedeutsame Erdreich vom Tempelberg von Archäologen behutsam Schicht für Schicht abtragen und erforschen zu lassen, wurden tonnenweise Erde und archäologische Funde mit Bulldozern auf Lastwagen gehoben, heimlich nachts abtransportiert und auf einer Müllkippe im Kidrontal abgeladen. Das ist weltweit sicher die umfassendste absichtliche Zerstörung kulturell höchst bedeutsamer archäologischer Artefakte. Es handelt sich hier nicht um irgendeinen Baugrund, sondern um ein Erbe der ganzen Menschheit.
Seither untersuchen israelische Archäologen diese Berge von Erde, Steinen und zerbrochenen Kulturgütern aus mehreren Jahrtausenden in mühevoller Kleinarbeit und versuchen an Fundstücken und Erkenntnissen zu retten, was zu retten ist.
Unter der Leitung des israelischen Archäologen Prof. Gabriel Barkai sichten und sieben seit bald zwei Jahrzehnten Fachleute und freiwillige Helfer den Abraum vom Tempelberg, damit Archäologen die Fundstücke untersuchen können. Neben modernen Scherben von Cola-Flaschen wurden in dem Schutt prähistorische Götzenfiguren und Speerspitzen der Eroberer der letzten 5000 Jahre gefunden. Zu den neuesten Funden gehören farbige Marmorplatten aus der Zeit des Königs Herodes. Diese Funde bestätigten historische Beschreibungen, wonach in der Zeit Jesu der Fussboden des Tempels wie ein «buntes Wellenmeer» gewirkt habe.
Gemäss der biblischen Berichte befindet sich unter dem Felsendom jener Gründungsfelsen, um den herum Gott die Welt erschaffen hat. Abraham erwies sich hier als gottesfürchtig und Gott als gnädig. Hier, auf dem Berg Moria, wurde unter König Salomo der Tempel mit dem Allerheiligsten errichtet, den Jesus regelmässig besuchte. Viele Jahrhunderte später errichteten dort die Moslems den Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee – und zuletzt die riesige unterirdische Moschee.
1948 eroberte Jordanien Ostjerusalem. Die Muslime verboten Juden wie Christen den Zugang zum Tempelberg. Uralte Synagogen im jüdischen Viertel wurden gesprengt, Tausende Zeugnisse der jüdischen Geschichte dem Erdboden gleichgemacht. 1967 befreite Israel den Heiligen Berg und öffnete ihn für Besucher aus aller Welt. Israel hatte nun die Souveränität – beliess die Verwaltung der Stätten aber der islamischen Waqf-Behörde unter der Führung Jordaniens. Das Sagen hatten vor Ort aber letztlich die Palästinenser und diese machten daraus eine Auseinandersetzung mit unzähligen Toten.
Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 06/2018
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