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von Matthias Hilbert

Glaube

Wenn der Glaube singt

Vor 350 Jahren starb der deutsche Theologe Paul Gerhardt. Krieg, Leid, Not und Verluste prägten sein Leben. Wohl gerade deshalb vermitteln seine Lieder Trost, Zuversicht und Gottvertrauen.

Auch wenn die «alten» protestantischen Liederdichter und ihre wunderbaren, glaubensstarken Choräle bedauerlicherweise zunehmend in Vergessenheit geraten, so ist doch Paul Gerhardt immer noch vielen Menschen ein Begriff. Einige seiner Lieder zählen unverändert zu den beliebtesten deutschen Kirchenliedern, etwa «Befiehl du deine Wege» oder «Geh aus mein Herz und suche Freud». Sie scheinen irgendwie zeitlos schön und zeitlos gültig zu sein. Dass sie zugleich so authentisch wirken, liegt sicherlich auch an ihrem Verfasser, der sein Mensch- und Christsein so vorbildlich ausgelebt hat. Von ihm können Christen auch heute noch viel lernen.

Im Leiden bewährt

Am 22. März 1604 in Gräfenhainichen geboren und am 6. Juni 1676 in Lübben verstorben, hat Paul Gerhardt in seinem Leben gute und schlechte Zeiten erlebt. In beiden hat er sich als Christ bewährt. Dabei dürften wohl die Not- und Leidenszeiten überwogen haben, schliesslich spielte sich ein Grossteil seines Lebens in der Zeit des grausamen Dreissigjährigen Krieges (1618–1648) ab.

Dieser Krieg, der mal hier, mal dort mit stets neuer, furchtbarer Intensität in Europa wütete, hatte damals über die Menschen unendliches Leid gebracht. Ganz gleich, ob es die Soldateska der schwedischen Protestanten oder die der katholischen Wallensteiner war: Ihre Gier nach Beute, ihre Mord- und Zerstörungslust waren bei allen gleich. Es wurde gebrandschatzt, massakriert, vergewaltigt, geplündert und den Bauern das Vieh und das Getreide genommen. Nicht selten kam mit den Soldaten auch die Pest ins Land. Als Paul Gerhardt nach dem 1648 beendeten Krieg dem Frieden ein Preislied singt («Gott Lob, nun ist erschollen das edle Fried- und Freudenwort»), da schwingt neben der Dankbarkeit für das Kriegsende das Entsetzen über die Kriegsschrecken noch deutlich mit. So beklagt er in einem der Verse die «zerstörten Schlösser und Städte, voller Schutt und Stein» und die vormals mit frischer Saat bestreuten Felder, «jetzt aber lauter Wälder und dürre, öde Heid», und er trauert über «Gräber voller Leichen (…), derengleichen auf Erden niemand weiss».

Nur wenige Jahre nach dem Krieg musste Paul Gerhardt, der schon mit 14 Jahren Vollwaise geworden war, schmerzhafte Todesfälle in seinem engsten Familienkreis erleben. Nach seiner Heirat mit der 32-jährigen Anna Maria Berthold im Februar 1655 verlor das junge Ehepaar im Januar 1657 ihr erstes Töchterchen. Gut zwei Jahre später verschied im Alter von nur zwei Jahren auch ihre zweite Tochter. Im November 1660 schliesslich starb gleich nach der Geburt ihr Sohn Andreas. Ihm folgte 1665 der noch nicht einmal einjährige Andreas Christian. Und dann verstarb am 5. März 1668 auch noch – nach dreizehn Jahren glücklicher Ehe – Gerhardts Frau, der es schon seit Langem nicht gut gegangen war.

Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 03/2026

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