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von Raphael Berger

Glaube

Wenn der Glaube etwas kostet

Was, wenn «Gott mehr gehorchen als den Menschen» Realität wird? Die Gemeinde in Thessalonich ist uns Vorbild und Ermutigung im Umgang mit Gegenwind – ohne dabei den Fokus zu verlieren.

Gott mehr gehorchen als den Menschen (Apg. 5,29). Das sagt sich so leicht und in der Theorie ist es das auch. Doch was, wenn es plötzlich Realität wird? Gerade die Corona-Zeit hat offenbart, wie viele Christen mitgeschwommen sind und sich nicht selten sogar in vorauseilendem Gehorsam den behördlichen Vorgaben unterworfen haben. Versammlungsverbot für Gemeinden? Kein Problem, Gottesdienst und Abendmahl geht ja auch über Livestream – und was haben wir diesbezüglich nicht alles gelernt: ein technischer Quantensprung für die «verstaubte Christenheit». Nun können wir in Sachen Qualität endlich mit der Welt mithalten. Wo wären wir nur, wenn es Corona nicht gegeben hätte?

Und was ist zum Beispiel mit dem Besuchsverbot für Angehörige in Spitälern und Pflegeeinrichtungen? Die (Behörden) haben es doch nur gut gemeint und wollten unser Bestes. Womöglich hätten wir unsere Angehörigen und andere Bewohner angesteckt und dann wären die Folgen noch viel gravierender gewesen. Und überhaupt: Was hat das eigentlich mit Apostelgeschichte 5,29 zu tun? Hier wurde Petrus und den Aposteln verboten, das Evangelium zu verkündigen – dagegen wehrten sie sich. Deshalb müssen auch wir uns erst dann der Obrigkeit widersetzen.

Argument zieht nicht

Ich bin mir bewusst: Das ist überspitzt formuliert. Und doch: Bis heute wird oft in dieser Art argumentiert. Ein Blick in die Bibel offenbart, dass gerade das «Evangeliumsargument» nicht zieht. Einige Beispiele: Daniel und seine drei Freunde kannten Gottes Speisevorschriften und wollten Ihm mehr gehorchen als den Menschen. Mit ihrem 10-Tages-Experiment setzten sie nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch dasjenige des obersten Kämmerers aufs Spiel (Dan. 1). Daniels Freunde hätten bei der Anbetung des goldenen Bildes äusserlich mitlaufen und Gott stattdessen einfach im Stillen anbeten können – doch sie blieben demonstrativ stehen und bekannten sich öffentlich zu Gott (Dan. 3). Und warum betete Daniel selbst nach dem königlichen Verbot weiterhin vor dem offenen Fenster und nicht im Verborgenen (Dan. 6)? Ich behaupte: Spielte sich diese Geschichte heute ab, nicht wenige würden Daniel raten, im Verborgenen zu beten und sein Leben nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Ja, man würde ihn wahrscheinlich gar für seinen (angeblichen) Mut kritisieren und verurteilen.

Auch bei den hebräischen Hebammen in 2. Mose 1 ging es nicht ums Evangelium, sondern um den Schutz und die Ehrfurcht vor dem Leben. Deshalb verweigerten sie den Befehl des Pharao, die männlichen hebräischen Neugeborenen zu töten. Von ihm zur Rede gestellt, logen sie sogar. Ob Gott diese Lüge guthiess, verrät uns die Bibel nicht. Aber er segnete ihren Ungehorsam dem Staat gegenüber und ihren Gehorsam Gott gegenüber – das erwähnt die Bibel gleich doppelt (2. Mose 1,20.21).

Die meisten Menschen (ich schliesse mich da voll mit ein) neigen dazu, mit dem Strom zu schwimmen. Die Devise ist: ja nicht auffallen, ja nicht aus der Reihe tanzen. Die Corona-Krise hat gezeigt: Viel eher suchen wir nach Wegen, um uns mit behördlichen Vorgaben zu arrangieren und sie womöglich sogar noch mit der Bibel zu begründen, als dass wir (auf eine gute Art und Weise) auf die Barrikade gehen. Viele Christen sind erstens leidensscheu, sind sich zweitens oft nicht bewusst, dass der Glaube etwas kosten kann, und haben drittens zu Themen, die sie nicht direkt betreffen – wie Abtreibung, Lebensschutz oder Homosexualität –, viel zu lange geschwiegen oder tun es noch immer.

Das ist auch die Folge einer einseitigen Verkündigung in unseren Kirchen und Gemeinden. Wir reden gerne von der Liebe Gottes, davon, dass jeder so zu ihm kommen kann, wie er ist, und dass Gott sich um jeden kümmert und einen guten Plan für jeden einzelnen hat. Wo aber bleibt der Ruf nach Busse und Umkehr? Gott ist Liebe, aber er ist auch gerecht und kann Sünde deshalb nicht einfach so stehen lassen. Diese Strafe nahm sein Sohn Jesus Christus stellvertretend auf sich, als er am Kreuz von Golgatha für uns litt, starb und am dritten Tag auferstand.

Verfolgung gehört dazu

Und dann beinhaltet die Wahrheit des Evangeliums eben noch einen dritten Teil: «Alle, die fromm leben wollen in Christus Jesus, müssen Verfolgung leiden» (2. Tim. 3,12).

Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 04/2025

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