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von Thomas Lachenmaier

Natur

Wasser für den See Genezareth

Israel und Wasser, das ist eine grosse Geschichte: Aus dem Wüstenland ist ein blühendes Land geworden, Israel ist weltweit der Vorreiter in effektiver Wassernutzung, in der Trinkwassergewinnung aus Meerwasser und in der Aufbereitung von Abwasser. Aber diese Geschichte endet damit nicht. Sie geht weiter: Israel wird den meist viel zu niedrigen Wasserpegel vom See Genezareth durch entsalztes Meerwasser anheben.

Israel hat die Technologie der Meerwasseraufbereitung revolutioniert. Aus Salzwasser Frischwasser zu machen war früher zu aufwendig, zu energieintensiv, zu teuer. Neue technische Lösungen israelischer Ingenieure haben hier Abhilfe geschaffen. Jedes Jahr produziert Israel in seinen fünf Entsalzungsanlagen 600 Millionen Kubikmeter Frischwasser. Zwei weitere Anlagen sind im Bau. Überschüssiges Wasser aus den Entsalzungsanlagen wird künftig in den See Genezareth gepumpt. 2018 hatte das israelische Parlament das Projekt genehmigt. Die Gesamtkosten des Projekts sind auf eine Milliarde US-Dollar veranschlagt. Die Bauarbeiten haben unweit vom See Genezareth, beim Moschaw Migdal, begonnen. Der Wasserspiegel des See Genezareth wird durch die Massnahmen um einen halben Meter steigen. Er war 2020 bedrohlich niedrig und fiel nach mehreren eher trockenen Wintern fast unter die rote Linie. Ein zu niedriger Wasserstand hat beträchtliche negative ökologische Auswirkungen. Zuletzt hatte sich der Wasserpegel durch Niederschläge im Winter 2021 wieder erholt. Einen See durch entsalztes Meerwasser als Trinkwasserspeicher zu nutzen, hat weltweit für aride Regionen Modellcharakter. Dem See Genezareth durch Wasserzufuhr zu helfen ist auch für das Tote Meer von Vorteil. Der niedrige Pegel des Toten Meeres führt zur Instabilität des Bodens und verursacht Sinklöcher. Wasser, das aus einem erholten See Genezareth über den Jordan ins Tote Meer fliesst, wirkt also auch hier segensreich.

Meldung aus factum 03/2022

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