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von Alexander vom Stein
Was für ein Himmelsbürger!
«... die auf das Irdische sinnen. Denn unser Bürgertum ist in den Himmeln, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus als Heiland erwarten.» Philipper 3,19.20
Wenn es auf der Erde einen «Himmelsbürger» gibt, der ganz und gar nicht irdisch «gesinnt» ist, dann ist es der Mauersegler (Apus apus). Bis auf wenige Ausnahmen verbringt er sein ganzes Leben in der Luft. Reisen, Essen, Trinken und Schlafen, alles geschieht ausschliesslich im Flug.
Nur sein Gelege ist nicht flugtauglich. Das Brutgeschäft erledigt er ganz bodenständig, wie jeder andere Vogel. Allerdings hält er diese Phase der Erdgebundenheit so kurz wie möglich, besteht doch die Gefahr, sich mit Parasiten wie der Mauerseglerlausfliege (Crataerina) zu infizieren. Immerhin nimmt das Paar sich fünf Tage Zeit, ein Nest herzurichten und zwei bis drei Eier zu reifen und zu legen. Das Bebrüten dauert etwa 20 Tage, gefolgt von einer stressigen Hochleistungsmast. An einem einzigen Tag treiben die Partner bei gutem Wetter eine Futtermenge von etwa 50 Gramm auf, bestehend aus über 20 000 kleinen Insekten und Spinnen! Die Beute wird im Kehlsack gesammelt, zum Teil noch lebend zu haselnussgrossen Kugeln zusammengespeichelt und in den weit aufgerissenen Schlünden des nimmersatten Nachwuchses versenkt. Im Gegenzug werden deren frische Exkremente in den elterlichen Kehlsack geschluckt und ordentlich
ausserhalb des Nestes entsorgt.
Bei derart energiereicher Ernährung wachsen die Jungen schnell heran und erreichen schon nach drei Wochen ihr Höchstgewicht von 60 Gramm. Damit sind sie anderthalb mal so schwer wie ihre Eltern. Sie brauchen diesen Vorrat für ein anstrengendes Fitnessprogramm. Jeden Tag werden unzählige «Flügelstützen» gemacht, bei denen sie ihren Körper mit gestreckten Flügeln hochstemmen und zehn Sekunden lang über dem Nestboden balancieren. Nach erfolgreich absolviertem «Bodybuilding» ist die Flugmuskulatur gestählt, und die kleinen Athleten fasten einige Tage, um ihre Fettreserve aufzubrauchen und sich auf ihr optimales Startgewicht herunterzuhungern.
Sie sitzen nun allein im Nest. Die spannende Flugpremiere interessiert die Eltern nicht. Sollte es schon etwas später im Jahr sein, brechen sie just in dem Moment zur Reise in ihr Winterquartier auf, in dem die Jungen mit dem Betteln aufhören. Den ganzen Ausflugstag sitzen die Jungen am Flugloch, schauen hinaus, ordnen ihr Gefieder und machen die letzten Trockenübungen.
Gegen Abend ist es dann so weit. Der erste Jungvogel tritt ans Flugloch, schaut noch einmal zweifelnd nach unten, wirft sich dann entschlossen in die Luft – und fliegt! Er fliegt, als hätte er nie etwas anderes gemacht, und tritt sofort die lange Reise ins südliche Afrika an. Niemand hat ihm den Weg beschrieben, er weiss einfach, wohin er muss. Vielleicht trifft er dort seine Eltern wieder, aber das interessiert keinen von ihnen, sie sind dann nicht mehr Familie, nur noch Konkurrenten.
Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 04/2018.
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