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von factum-Redaktion
Wahrheit als Austauschmodell
Durch einen exklusiven Wahrheitsanspruch könnten Religionen «zu Machtinstrumenten gemacht werden und Gesellschaften spalten», heisst es weiter darin. Anlass für die Erklärung war die Veröffentlichung eines gemeinsamen Diskussionspapiers von 14 christlichen, jüdischen und islamischen Theologen mit dem Titel «Dialog und Transformation. Auf dem Weg zu einer pluralistischen Religionspädagogik». Darin erklären die Autoren, der Religionsunterricht müsse wegen der «gewachsenen Religionsvielfalt» an den Schulen zum interreligiösen Lernen und zum Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften beitragen.
Es gelte, eine «Verabsolutierung der eigenen Sichtweise zu vermeiden und sich als Teil einer interreligiösen Lerngemeinschaft zu begreifen». Ein Vorbild könne das Hamburger Modell des «Religionsunterrichts für alle» sein. Die Hansestadt hat im Dezember 2019 als erstes Bundesland einen Religionsunterricht in interreligiöser Trägerschaft eingeführt. Seine Inhalte werden gleichberechtigt von christlichen Kirchen sowie jüdischen, muslimischen und alevitischen Verbänden verantwortet.
Kritik übte der Religionspädagoge und Vorsitzende der «Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis» in Bayern, Andreas Späth. Der Forderung, den christlichen Wahrheitsanspruch aufzugeben, liege die Ideologie des Relativismus zugrunde, nach der alle Religionen austauschbar seien, sagte er gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur «idea». Eine solche Haltung widerspreche zwei zentralen Bestandteilen der christlichen Lehre: dem ersten Gebot (2. Mose 20,2–3) und dem Missionsbefehl Jesu (Matth. 28,19–20). Laut Späth ist im Verhältnis zwischen den Religionen «das Problem nicht der Wahrheitsanspruch, sondern die Bereitschaft, die jeweils eigene Sicht der Dinge mit Gewalt durchzusetzen».
Meldung aus factum 03/2020.
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