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von factum-Redaktion
Vom Winde verweht
Darüber rätselt die Wissenschaft. Auf ihren Reisen überqueren Zugvögel Ozeane, Gebirgsketten und Wüsten. Die Küstenseeschwalbe (Sterna paradisaea) fliegt sogar jedes Jahr von ihren Brutplätzen in der Arktis ins Winterquartier in der Antarktis. Dabei zahlt es sich für die Vögel aus, grosse Umwege zu nehmen und den Wind auszunutzen. Ein Viertel der Reisezeit sparen die Vögel dadurch, dass sie statt der kürzesten Route die mit den besten Windverhältnissen wählen. Dazu ist aber ein meteorologisches Wissen erforderlich, das die Vögel eigentlich gar nicht haben können: Woher und wohin wehen die Winde, in welcher Höhe gibt es welche Luftströmung, wann gilt es, in welchen Wind in welcher Höhe «einzusteigen», und wann gilt es, diesen wieder zu verlassen, um in eine andere Strömung zu wechseln, damit man am Ende da ankommt, wo man hinwill? «Natürlich können einzelne Vögel nicht vorhersagen, wann an welchem Ort der beste Wind weht», konstatiert Bart Kranstauber, Ornithologe am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell am Bodensee. Auf irgendeine Art verfügen die Vögel aber dennoch über das erforderliche Wissen, denn sie handeln ja danach. Erfahrungswissen kann es nicht sein, denn wenn es beim ersten Fernflug nicht klappt, endet die Reise irgendwo über den Weiten der Meere. Der Vogelkundler vermutet: «Dieses Wissen könnte von Generation zu Generation weitergegeben werden» – zum Beispiel, weil die Informationen im Erbgut gespeichert sind. Wie ein im Erbgut codiertes Wissen aber das praktische Verhalten steuert, ist ebenso unklar wie die Frage, wie die Information über das optimale Fliegen mit dem Wind ins Erbgut gelangte. Man könnte meinen, Bob Dylan habe sein berühmtestes Lied dem Vogelflug gewidmet: «The answer, my friend, is blowing in the wind …» (Die Antwort, mein Freund, ist vom Winde verweht.)
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