Uhr
von Matthias Hilbert
Teilhabe an jenen Leiden
Wenn man von der Liebe des angesehenen holländischen Uhrmachers Casper ten Boom (1859–1944) zum jüdischen Volk erzählen will, kommt man nicht umhin, bei seinem Vater Willem ten Boom (1816–1891) zu beginnen, der in der Haarlemer Barteljorisstraat ein kleines Uhrengeschäft besass. Er war dafür bekannt, dass er für «Gottes altes Volk» eine besondere Liebe empfand. 1844 gründete er eigens einen wöchentlichen Gebetskreis, in dem für das Heil der Juden und den Frieden Jerusalems gebetet wurde. Später wird seine Enkelin Corrie ten Boom schreiben: «Gott erhörte diese Gebete im alten Haus in der Barteljorisstraat auf eine göttliche und uns unbegreifliche Weise: Hundert Jahre später machte er das Haus mit seinen verwinkelten Räumen zu einer Zufluchtsstätte zumindest für einige Angehörige seines Volkes – und uns, die ten Booms selbst, liess er etwas teilhaben an jenen Leiden, die über sein Volk gekommen waren.»
Dass in seinem Wohnzimmer ein Porträt des berühmten jüdischen Rechtsanwalts und Poeten Isaac da Costa hing, war für Willem ten Boom bezeichnend. Denn er verehrte diesen glühenden Christusbekenner sehr und stand mit ihm in engem Kontakt. Dem tiefgläubigen Uhrmacher gefiel es, dass sich da Costa deutlich gegen den Vernunftglauben seiner Epoche und die liberale Theologie aussprach, die nicht nur in Holland immer mehr Anhänger gewann. Dem Einfluss da Costas war es wohl auch zu verdanken, dass Willem ten Boom in Haarlem eine «Gesellschaft für Israel» gründete. Er war davon überzeugt, dass nach den Prophezeiungen der Bibel Gott sein Volk nicht nur «unter alle Völker zerstreuen», sondern es auch wieder «aus allen Völkern sammeln» würde (siehe u. a. 5. Mose 28,64 ff. u. 30,3).
Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 06/2020.
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