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von Patrick Werder

Natur

«Sollt ich meinem Gott nicht singen?»

«Sollt ich meinem Gott nicht singen? Sollt ich ihm nicht dankbar sein?» Die meisten von uns hätten Verständnis für den Dichter, hätte er diese Fragen mit «Nein» beantwortet.

Paul Gerhardt (1607–1676) hatte kein einfaches Leben! Seine Gedichte, die zu den bedeutendsten Schöpfungen deutscher Sprache gehören, schrieb er in oder nach den Verheerungen des Dreissigjährigen Krieges. Früh wurde er Waise. Früh verstarb seine geliebte Frau. Vier seiner fünf Kinder musste er selber zu Grabe tragen.

Weil er sich als Pfarrer weigerte, sich vom Staat seinen Glauben vorschreiben zu lassen, wurde er des Amtes enthoben. «Was ist mein ganzes Wesen von meiner Jugend an als Müh und Not gewesen? Solang ich denken kann, hab ich so manchen Morgen, so manche liebe Nacht mit Kummer und mit Sorgen des Herzens zugebracht.» Die besten Voraussetzungen einer gescheiterten Existenz! Doch ausgerechnet dieser leidgeprüfte und mehrfach gebrochene Mann vermacht uns einen derart grossen Schatz!

«Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.» «Es war ein Charakterzug Gerhardts, dass er keinen Ruhm mit seinen Liedern suchte, sondern sein Schaffen als einen Dienst an der Gemeinde verstand», schrieb Pfarrer Volker Gäckle, der Rektor der Internationalen Hochschule Liebenzell über den Liederdichter. «Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege, des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuss gehen kann (RG 680,1).»

«Alles vergehet, Gott aber stehet ohn alles Wanken; seine Gedanken, sein Wort und Wille hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden, die nehmen nicht Schaden, heilen im Herzen die tödlichen Schmerzen, halten uns zeitlich und ewig gesund (RG 571,8).»

Meldung aus factum 03/2019.

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