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von Christian Scheidegger

Glaube

«Sie waren die Ersten»

Nicht nur die Grossen schreiben Weltgeschichte, sondern auch die scheinbar unbedeutenden Randfiguren. Das zeigen die Täufer. Sie beeindruckten durch konsequente christliche Nachfolge.

Dieses Jahr wird die Täuferbewegung 500 Jahre alt. In der Schweiz wurden die Täufer verfolgt, fast überall vertrieben – und gingen vergessen oder blieben nur als Karikatur in Erinnerung. Vermutlich wird deshalb das Täuferjubiläum nicht wie die Lutherdekade und das Zwingli-Jubiläum mit teuren Spektakeln gefeiert. Doch eine Beschäftigung mit dieser religiösen Minderheit (über 2 Millionen getaufte Mitglieder weltweit) lohnt sich, weil sie den Lauf der Geschichte genauso beeinflusst hat wie die grossen Reformatoren.

Radikaler Glaube

Am 21. Januar 1525 versammelten sich einige Gegner der Säuglingstaufe in Zürich. Konrad Grebel taufte zuerst den Ex-Priester Jörg Blaurock, bevor dieser die anderen Anwesenden taufte. Auch das Abendmahl feierten sie damals. Ihnen war klar, dass sie sich mit diesen kirchlichen Handlungen ausserhalb des Gesetzes bewegten und mit ihrer Verhaftung rechnen mussten. Doch nachdem sie zwei Jahre auf eine sichtbare Erneuerung der Kirche gewartet hatten, mussten sie es einfach tun: Endlich wollten sie die biblische Lehre in die Praxis umsetzen. Die Quellen berichten von einer Gottesfurcht, welche die Beteiligten erfasst habe, und von einer grossen Befreiung, die sie dabei erlebt hätten. Anders als die «Päpstler», die auf die Hierarchie der römischen Kirche setzten, und auch anders als die Reformatoren, die sich auf die Politik christlicher Fürsten oder christlicher Stadtregierungen verliessen, vertrauten die Täufer einfach darauf, dass der Heilige Geist die Gläubigen autorisiert und die Gemeinde Gottes schafft. Ihr Glaube orientierte sich nicht an menschlichen Autoritäten. Er war revolutionär – und versetzte Berge.

Wie ist es dazu gekommen? Bevor die Radikalen zu Täufern wurden, bewunderten sie den Reformator Huldrych Zwingli, der mit seinen populären Predigten viele Zürcher und Zürcherinnen begeistern konnte. Zu Beginn des reformatorischen Aufbruchs gab es keine Differenzen: Das Evangelium von Jesus Christus einte sie. Doch als es darum ging, die biblische Lehre ins Leben zu übertragen, gingen die Ansichten auseinander. Zwingli anerkannte mit den Zürcher Disputationen 1523 zwar die christliche Gemeinde, die über Lehrfragen urteilte, wollte die praktische Umgestaltung der Kirche jedoch der Politik überlassen. Die reformatorische Loslösung vom Papsttum führte in Zürich und anderswo zu einem Machtvakuum, das die Regierungen ausfüllten. Die politischen und religiösen Eliten schrieben das Glaubensbekenntnis vor und erklärten den Gottesdienstbesuch zur Pflicht der Untertanen; Ungehorsam und abweichende Lehrmeinungen wurden nicht toleriert. Einzelne Täufer wurden sogar mit dem Tod bestraft. So sahen die evangelischen Obrigkeitskirchen aus.

Die Zürcher Regierung verbot noch im Januar 1525 private religiöse Versammlungen wie auch die Taufe von Erwachsenen, während sie ausländische Täufer des Landes verwies. Doch die Täuferbewegung konnte sie mit diesen Massnahmen nicht aufhalten. Ganz im Gegenteil.

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