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von Klaus Güntzschel

Mensch

Richtet euer Herz auf eure Wege

Vor 2500 Jahren richtete der Prophet Haggai seine Botschaft an das Volk Israel. Liest man sie heute, kann man sich des Eindrucks kaum erwehren, dass dieser Prophet hochaktuell ist.

In Esra 5 und 6 wird uns die Rahmenhandlung dieses «kleinen» Propheten berichtet. Die aus der babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrten Juden hatten begonnen, den Altar und das Haus Gottes zu bauen. Aber es gab Widerstand durch einige Feinde, allen voran Reschum, den Statthalter. Sie bewirkten eine Verfügung des Königs Artasasta, der anwies, die Juden am Weiterbau zu hindern. Reschum setzte diese Verfügung mit «Gewalt und Macht» um (Esra 4,23). So liessen die Israeliten den Bau am Haus Gottes ruhen und kümmerten sich stattdessen um ihre eigenen vier Wände. Daraufhin weissagten Haggai und Sacharja dem Volk Gottes: «So spricht der HERR der Heerscharen und sagt: Dieses Volk spricht: Die Zeit ist nicht gekommen, die Zeit, dass das Haus des HERRN gebaut werde. Und das Wort des HERRN erging durch den Propheten Haggai, indem er sprach: Ist es für euch selbst Zeit, in euren getäfelten Häusern zu wohnen, während dieses Haus wüst liegt?» (Hag. 1,2–4). Die Israeliten gehorchten und die Arbeiten wurden unverzüglich wieder aufgenommen. Offenbar ignorierten sie dabei das Verbot des Königs – erst später erlässt König Darius eine neue Weisung: «Lasst die Arbeit an diesem Haus Gottes geschehen» (Esra 6,7). Welche Botschaft verkündigt der Prophet Haggai? Hat sie etwas mit uns heute zu tun? Wohl mehr, als wir zunächst ahnen. Der Vorwurf des HERRN: Ihr kümmert euch um eure Häuser, aber mein Haus liegt «wüst».

Im Hamsterrad

«Ihr habt viel gesät und wenig eingebracht; ihr esst, aber nicht zur Sättigung; ihr trinkt, aber nicht zur Genüge; ihr kleidet euch, aber es wird keinem warm; und der Lohnarbeiter erwirbt Lohn für einen durchlöcherten Beutel» (Hag. 1,6). Schaut nach – macht Inventur. Merkt ihr nicht, dass unter dem Strich nichts bleibt? Ihr habt eure ganze Kraft in den Job gesteckt, die Frau musste kurz nach der Entbindung wieder «arbeiten» gehen, sonst wäre die Kreuzfahrt in Gefahr gewesen. Unsere Kinder haben wir auf dem Altar unserer Arbeit geopfert.

Wir werden als Egoisten geboren, der erste Laut ist in den meisten Fällen ein Schrei und leider hören wir damit in unserem Leben nicht wieder auf. Das viele Schreien betäubt auch unsere Christenohren. Oft liegt Gottes Haus «wüst», während unsere eigenen Projekte spriessen. «Ich zuerst» oder «America First». Wir haben vergessen, dass wir «Erkaufte» sind und folglich dem gehören, der für uns bezahlt hat. Für mich war der Vers 15 aus 2. Korinther 5 eine kleine Revolution: «Und er ist für alle gestorben, damit die, die leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und ist auferweckt worden.» Ist das nicht eine der gewaltigsten Änderungen nach unserer Bekehrung, dass wir jetzt beginnen, für einen anderen zu leben?

Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 03/2022

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