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von Thomas Lange

Mensch

Plötzlich war sie nicht mehr da

«Was gestern war, ist unwiederbringlich vorbei. Was morgen sein wird, wissen wir nicht. Wir haben nur das Heute. Also: Worauf warten wir?»

Es war der 17. Dezember 2021. Wir wollten mal nachfragen, ob bei Kristina alles in Ordnung ist. Jeden Mittwoch waren wir mit ihr in unserem Café verabredet. Sie kam immer gern zum Plausch, zu einer Tasse Kaffee und einem leckeren Stück Kuchen.

Kristina, Mitte 70, war seit etwa zwei Jahren bei uns in der Gemeinde. Sie stammte aus einem schwierigen Elternhaus, in dem der Alkohol eine grosse Rolle spielte. Leider wurde auch sie selbst dadurch zur Alkoholikerin. Doch dann machte Jesus Kristina frei. Sie erkannte ihre Sünde und bat Ihn um Vergebung. Seitdem war sie auf einem guten Weg. Kristina las in der Bibel, gehörte zur Gemeinde, pflegte Kontakte zu Geschwistern und war froh, nicht allein sein zu müssen. Auch unter der Woche hatten wir regen Kontakt mit ihr. Immer wieder hatte sie viele Fragen, die sie bewegten. Manchmal schüttete sie uns ihr Herz aus oder kam einfach rüber, um beim Laubharken zu helfen. Beim Gottesdienst hatte sie ihren Stammplatz und war sehr gern dabei.

An besagtem Mittwoch vermissten wir Kristina im Café. Wir dachten uns jedoch nichts weiter dabei.Vielleicht war ihr ja etwas dazwischen gekommen? Als wir am Freitag noch immer nichts von ihr gehört hatten, machten wir uns Sorgen. Ihre Wohnung war nur über die Strasse, so gingen wir in der Mittagsstunde hinüber, um zu fragen, ob alles in Ordnung sei. Als wir vor ihrer Wohnungstür standen, bemerkten wir, dass der Fernseher laut lief, aber niemand auf Klingeln, Pochen oder Anrufe reagierte. Daraufhin entschieden wir uns, die Polizei zu verständigen. Wir spürten: Hier ist etwas nicht in Ordnung. Die Polizei war fünf Minuten später da, samt Feuerwehr und Notarztteam. Zu Zehnt standen wir im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses, während die Wohnung über den Balkon mit Hilfe einer Drehleiter der Feuerwehr geöffnet wurde. Als die Kameraden der Feuerwehr dann die Wohnungstür von innen öffneten und uns hineinliessen, konnten wir Kristina leider nur noch leblos auf dem Boden liegend auffinden. Kein Herzschlag, keine Vitalzeichen mehr. Offensichtlich war sie aus ungeklärter Ursache rückwärts gefallen und mit dem Kopf in einem sehr ungünstigen Winkel gegen die Wand geschlagen. Wahrscheinlich lag sie seit Dienstagfrüh dort. Wir waren geschockt. Wir hatten Kristina ins Herz geschlossen. Sie gehörte zu uns. Und jetzt war sie plötzlich nicht mehr da!

Doch, was viel wichtiger ist: Sie gehört zu Jesus Christus. Sie ist ein Kind Gottes und durfte Vergebung ihrer Schuld durch das Blut Jesu Christi erfahren. Auch wenn wir sie vermissen, so hat Kristina es nun weitaus besser. Keine Ängste mehr, keine Zweifel, keine Rückfälle. Endgültig frei gemacht von allen Abhängigkeiten und Nöten des Herzens. Einfach wunderbar.

Uns machte es wieder einmal sehr deutlich, dass wir hier keine bleibende Stadt haben, sondern die zukünftige suchen. Auch wurde uns die Dringlichkeit unseres Auftrages neu bewusst. Jesus sagt: «Gehet hin und macht alle Nationen zu Jüngern» (Matth. 28,19). Wir wollen noch entschiedener sein im Dienst für den Höchsten und keine Zeit vergeuden. Was gestern war, ist unwiederbringlich vorbei. Was morgen sein wird, wissen wir nicht. Wir haben nur das Heute. Also: Worauf warten wir?

Artikel aus factum 03/2022

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