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von Thomas Lachenmaier
«Mutter Erde» statt Muttersein
Gegen den traditionellen Verbund von verheirateten Eltern und ihren Kindern, die in einer Verantwortungs- und Liebesgemeinschaft füreinander einstehen, wendet sich die Gender-Politik. Jetzt nimmt eine weitere Ideologie an Fahrt auf, die frontal gegen die Familie angeht: das antichristliche und menschenfeindliche Menschen- und Weltbild, wonach das vermeintlich existentiell bedrohte Wohl der gesamten Erde eine «klimaverträgliche Weltgesellschaft» notwendig mache. Kinder sind aus der Sicht dieser pseudowissenschaftlich begründeten negativen Zukunftsprophetie vor allem eines: umweltschädlich. Es gelte, die Zahl der Menschen zu begrenzen.
Jürgen Liminski, Geschäftsführer des Instituts für Demografie, Allgemeinwohl und Familie e. V., sieht mit Sorge ein «eigentlich animalisches Menschenbild» aufkommen, demzufolge der Mensch nicht als ein geistiges Wesen mit unbedingtem Lebensrecht gesehen wird, sondern als Klimaschädling, von denen es nur zu viele geben kann. «In den USA bezeichnen sich ihre Anhänger als ‹childfree›, als Kinderfreie oder als Gink (Green inclination, no kids)», berichtet Liminski, «was so viel heisst wie ‹kinderlos aus ökologischen Gründen›». Vor allem in Deutschland dürfte dieses Thema «angesichts des verbreiteten prophetischen Eifers bis hin zur Hysterie bei Umweltthemen noch in diesem Jahr an Fahrt aufnehmen», befürchtet Liminski. Familie werde ihre Selbstverständlichkeit rechtfertigen müssen, «Kinderreiche werden erklären müssen, warum sie die Umwelt und damit die Menschheit ‹belasten›».
Kinderkriegen als verantwortungslos, weil klimaschädlich zu diffamieren, hat Konjunktur. So etwa in Artikeln über die Buchautorin Verena Brunschweiger («Kinderfrei statt kinderlos»), die Kinderkriegen für «ein reaktionäres Projekt» hält, welches das Klima zerstört: «Um die Umweltbelastungen aufzuwiegen, die durch ein einziges, in Deutschland geborenes Kind verursacht werden, kann man viele, viele Flugreisen machen oder Steaks essen.»
Kinderlosigkeits-Aktivisten wie Brunschweiger unterstützen die Forderung des «Club of Rome», der erklärt, es gelte, die Wachstumsrate der Bevölkerung noch mehr zu drosseln, «idealerweise sogar ins Negative zu kehren». Verhütung und Abtreibung sind die Mittel der Wahl; der «Club of Rome» empfiehlt, Frauen zu ihrem 50. Geburtstag einen Bonus von 80 000 Dollar zu zahlen, wenn sie nicht mehr als ein Kind bekommen haben. «20 BMW schädigen das Klima weniger als ein Baby», titelt das Magazin «Stern» und beruft sich auf eine Studie der Lund Universität in Schweden, derzufolge ein Kind die grösste Umweltbelastung ist, die ein Mensch nur machen kann. Ein Kind verursache eine Belastung mit dem angeblich umweltschädlichen CO2 von 58 Tonnen – jährlich. Eine in «Science» veröffentlichte Studie von zwei US-Forschern fordert, der Weltklimarat müsse Massnahmen gegen das Bevölkerungswachstum ergreifen.
Was jetzt immer häufiger in Zeitungen und Talkshows propagiert wird – Kinderlosigkeit aus vermeintlich umwelt-moralischen Gründen –, wurde bereits vor Jahrzehnten gefordert, so etwa in dem «Gesellschaftsvertrag für eine grosse Transformation», den im Jahr 2011 der so genannte «Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderung» (WBGU) vorlegte. Bereits 2009 wurde diese Pseudowissenschaft auf der Klimakonferenz in Kopenhagen verkündet, der «Optimum Population Trust» empfahl Bevölkerungskontrolle als Mittel gegen den prophezeiten Klimawandel. Die chinesische Ein-Kind-Politik ist den Klimaschützern Vorbild. Die chinesische Vizeministerin der nationalen Bevölkerungs- und Familienplanungskommission, Zhao Baige, bezeichnete auf dieser Klimakonferenz 2009 Bevölkerungskontrolle als den «Schlüssel zum Erreichen des Klimaabkommens». Sie zitierte eine Studie der «London School of Economics», wonach «jede 7 Dollar, die für Familienplanung ausgegeben werden, die CO2-Emissionen um mehr als eine Tonne reduzieren». Diese krude Argumentation liegt ganz auf der Linie der grössten Abtreibungsorganisation der Welt, der «International Planned Parenthood Foundation», die Chinas Abtreibungspolitik als vorbildhaft ansieht.
Vor dieser Entwicklung zur buchstäblichen Kinderfeindlichkeit warnte Brenan O’Neill, Chefredakteur des liberalen britischen Magazins «Spike», bereits 2011: Der menschenfeindliche Tenor laute, das «west-östliche Projekt der Geburtenbegrenzung in China auf den ganzen Globus auszuweiten, um den Planeten zu retten» – eine «planetare Ein-Kind-Politik». In Elbert County im US-Bundesstaat Georgia steht seit 1979 das passende Denkmal dazu, auf dem die Zehn Gebote dieser neuen antichristlichen Weltordnung stehen. Eines der Gebote lautet: «Halte die Menschheit – in fortwährendem Gleichgewicht mit der Natur – unter 500 Millionen».
Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 03/2019.
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