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von Rainer Urban
Mein Wort gilt
Oktober 1973. US-Präsident Richard Nixon zieht seinen Morgenrock an, setzt sich auf die Bettkante und nimmt den Anruf von Golda Meir entgegen. In Israel ist es Nacht. Ministerpräsidentin Golda Meir, die schon an Selbstmord gedacht hatte, greift in diesen schweren Stunden zum Telefonhörer und ruft den amerikanischen Präsidenten an. Sie bittet eindringlich: «Herr Präsident, wenn Sie uns nicht helfen, wird das jüdische Volk niemals überleben.»
Der Fernsehproduzent und Dokumentarfilmer Bill McKay beschreibt, was sich bei Richard Nixon während dieses Gesprächs abspielte. Nixon: «Ich konnte fast die Stimme meiner Mutter hören, die mir immer Geschichten aus dem Alten Testament und von biblischen Helden erzählt hatte. Eines Nachmittags sagte sie: ‹Richard, einmal wirst du in der Position sein, in der du helfen kannst, das jüdische Volk zu retten. Und wenn dieser Tag kommt, musst du alles in deiner Macht Stehende tun.›» Richard Nixon, damals tief in der Watergate-Affäre verwickelt, sagt: «In diesem Moment erkannte ich zum ersten Mal, warum ich Präsident der USA geworden war. Ich wusste, dass ich tun muss, wozu ich geboren war.» Und so fragt er: «Golda, was brauchen Sie?»
Es ist einer der grössten militärischen Lufttransporte seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Präsident der Vereinigten Staaten hält Wort. Auch ohne Deutschland, dessen Regierung unter dem sozial-demokratischen Bundeskanzler Willy Brandt den Waffennachschub der USA über die Bundesrepublik nach Israel untersagte.
Wunder über Wunder
Es ist der 6. Oktober 1973, der «Sabbat aller Sabbate», Yom Kippur, der höchste Feiertag Israels. An diesem Tag, dem Versöhnungstag, erlahmt das öffentliche Leben in Israel fast völlig. Auch nichtreligiöse Juden fasten und gehen in die Synagoge. Dieses Ereignis nutzen die Armeen Syriens und Ägyptens aus und greifen Israel im Norden und Süden des Landes an. Um 14 Uhr beginnt der massive syrische Angriff auf dem Golan – 1500 syrische Panzer und 1000 Geschütze stehen gerade mal 170 israelischen Panzern und 60 Artilleriegeschützen gegenüber. Auch im Süden ist das ägyptische Militär den Israelis zahlenmässig hoch überlegen, setzt innerhalb von 24 Stunden mit fünf Divisionen auf das östliche Ufer des Suez-kanals über und bedrängt die Israelis schwer. Die militärische Situation ist für Israel dermassen kritisch, dass nur noch wenige Generäle an ein Überleben glauben. Eine Exilregierung ist bereits in Planung. Die meisten Opfer muss Israel in den ersten Tagen beklagen, unter ihnen auch viele Offiziere und Kommandeure.
Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 05/2023
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