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von Thomas Lachenmaier
Man nennt es «Taqiyya»
An ein und demselben Tag machte der türkische Staatschef Erdogan eine Kehrtwende in seinen Beziehungen sowohl zu Russland wie zu Israel. Er entschuldigte sich für den Abschuss eines russischen Kampfjets. Und er beendete die Eiszeit mit Israel. In den Jahren zuvor hatte sich die Türkei zunehmend in eine Isolation begeben. Nicht nur mit Israel und Russland waren die Beziehungen zerstört. Auch mit Ägypten, Saudi-Arabien, dem Iran und Irak hat sich Erdogan überworfen. Dass dies Nachteile und massive ökonomische Einbussen (etwa im Tourismus und im Aussenhandel) zur Folge hat, kümmerte das islamistische Regime in Ankara wenig. Erdogans Sprecher veredelte die politische Isolation zur «wertvollen Einsamkeit».
Wie sind nun die freundlichen Offerten, wie ist diese neue Politik insbesondere gegenüber Israel zu bewerten? Gibt es eine Einsicht in Ankara, dass die Unterstützung des Terrors gegen Israel, die Hasspropaganda im Inneren und Äusseren falsch ist?
Nein, dem ist sicher nicht so. Die strategische Orientierung des Erdogan-Staates, seine Politik gegen Israel, sein mit dem Islam begründeter Hass auf den Staat der Juden hat sich nicht geändert. Es ist eine taktische Entscheidung. Sie folgt exakt dem Lehrbuch islamischen strategischen Denkens.
Der enge Weggefährte Mohammeds Abu Darda hat es in diese klaren Worte gefasst: «Lass uns ins Gesicht mancher Nicht-Muslime lächeln, währenddessen unsere Herzen sie verfluchen!» Das ist die islamische Taqiyya, die im Islam zulässige Täuschung und Lüge bei ungünstigen Machtverhältnissen. Sowie es opportun erscheint, das heisst, sobald man Macht und Mittel dazu hat, kehrt man zu dem offenen Hass und der Feindschaft zurück, die der eigentliche Kern des Handelns sind. In Sure 47,35 lehrt der Koran: «So werdet nicht matt, und ruft nicht dann zum Friedensschluss, wenn ihr die Überlegenen seid. Allah ist mit euch und lässt euch nicht um eure Werke kommen.»
Der Grund für Erdogans Kehrtwende ist, dass er vorübergehend an einer seiner 20 Fronten Ruhe haben will. Er hat sein eigentliches strategisches Ziel nicht aus den Augen verloren. Es ist ein geistliches Anliegen, welches er oft genug so in die Mikrofone diktiert hat: «Islam, Islam, Islam!»
(Artikelauszug aus factum 6/2016)
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