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von Matthias Hilbert
Leidenschaft für Jesus
Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf gehörte als Reichsgraf zur «Crème de la Crème» des Hochadels. Er war eine originelle, wagemutige, ja geradezu geniale Persönlichkeit, die mit Königen und Fürsten genauso unbefangen verkehrte wie mit Bauern und Handwerkern, mit Sklaven und Indianern. Seine Frömmigkeit zeichnete sich durch eine intensive Jesus-Beziehung und einen grossen Missionsdrang aus. In seinem Bestreben, «Seelen für das Lamm zu werben» und eine neue Form einer christlichen Glaubens- und Lebensgemeinschaft zu schaffen – die Herrnhuter Brüdergemeine –, ging er kreative und unkonventionelle Wege. Dichterisch und musikalisch hochbegabt, verfasste er über 2000 christliche Lieder und Gedichte. Er wurde von vielen geliebt, verehrt und bewundert – und von anderen angefeindet, verleumdet und verspottet.
Prägende Kindheit
Das sind nur einige wenige Stichpunkte zu dem ungewöhnlichen Lebenslauf und der facettenreichen Persönlichkeit Zinzendorfs, der am 26. Mai 1700 in Dresden geboren wurde. Bereits anderthalb Monate später starb sein Vater. Der hatte erst ein Jahr zuvor Charlotte Justine von Gersdorf geheiratet. Die junge Witwe zog nun mit ihrem Kind auf das an der schlesischen Grenze gelegene elterliche Landgut Grosshennersdorf in der Niederlausitz. Nachdem sie sich 1704 wieder verheiratet hatte und mit ihrem zweiten Mann nach Berlin übergesiedelt war, überliess sie den kleinen «Lutz» zur weiteren Betreuung und Erziehung ihrer Mutter, der Landvögtin Henriette Katharina von Gersdorf.
Diese war nicht nur eine auffallend eigenständige und aussergewöhnlich gebildete, sondern auch eine tiefgläubige Frau ohne falsche Enge und Einseitigkeiten, gleichermassen geschätzt von den Orthodoxen und Pietisten. Ihr sensibler, frühreifer und fantasiebegabter Enkel erlebte in ihrer Umgebung eine Atmosphäre authentisch gelebter Frömmigkeit, die tief und nachhaltig auf ihn einwirkte. Im Alter von sechs Jahren fasste er nach einer Abendandacht den Entschluss, nur noch für den Heiland leben zu wollen.
Später meinte Zinzendorf: «Meine nahe Bekanntschaft mit dem Heilande kommt daher, dass ich zehn Jahre in meiner Grossmutter (...) eigenem Kabinette in Hennersdorf erzogen worden bin. Da habe ich sie mit dem Heiland reden hören über Sachen, die ich freilich nicht alle verstand, aber doch daraus geschlossen, dass der gemeinschaftliche Gottesdienst draussen und im Hause nicht alles sei für die Person, bei der ich wohnte, sondern dass sie unendlich mehr allein mit ihrem Herrn zu tun hatte. Was ist ihr ganzer Lauf, ihre beste Kunst gewesen? Beten, glauben, stille sein und auf Gottes Wink weder Kreuz noch Arbeit scheuen.»
Mit zehn Jahren wurde Nikolaus Ludwig nach Glaucha, das heute ein Stadtteil von Halle a.d. Saale ist, geschickt. Hier hatte August Hermann Francke neben einem grossen Waisenhaus auch eine regelrechte Schul- und Studentenstadt mit über 2000 Schülern und Studenten gegründet. Dieses aus christlich-pietistischem Geist entstandene Erziehungs- und Schulwesen galt als das wohl fortschrittlichste seiner Zeit. Als Reichsgraf erhielt Nikolaus Ludwig das Privileg, an der Tafel neben August Hermann Francke sitzen zu dürfen. Auf diese Weise bekam er Gespräche mit, die der bekannte und einflussreiche Francke mit Gesandten aus anderen Ländern führte, mit Glaubensflüchtlingen oder mit Pioniermissionaren, die sich auf Heimaturlaub befanden. Besonders die Missionsberichte, die er hörte, beeindruckten den Jungen tief.
Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 03/2025
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