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von factum-Redaktion

Natur

Krippenbetreuung als Bildungsbremse?

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Krippenbetreuung von Kleinkindern und den Ende 2023 veröffentlichten schlechten Pisa-Ergebnissen deutscher Schüler? Diese Frage stellt der Verband Familienarbeit e. V. und fordert gezielte Untersuchungen.

So hätten die jetzt getesteten 15-jährigen Schüler ihre Kleinkindzeit in Jahren verbracht, in denen die Krippenbetreuung besonders propagiert und ausgeweitet wurde, schreibt der Verband in einer Pressemitteilung. In der Regierungspropaganda werde die Krippenbetreuung als «frühkindliche Bildung» bezeichnet. «Viele Studien zeigen aber dagegen, dass Fremdbetreuung von U3-Kindern vor allem einen Dauerstress bewirkt, der das Interesse der Kinder bindet und den Lernprozess behindert», schreibt der Verband. Vieles spreche dafür, dass es in den ersten drei Lebensjahren vor allem darauf ankomme, eine Bindung zu festen Bezugspersonen, in der Regel den Eltern, aufzubauen, die dann erst die Sicherheit ermögliche, sich neugierig für Bildungsinhalte zu öffnen. Weiter schreibt der Verband, dass eine Korrelation noch kein Beweis für eine ursächliche Beziehung sei. Nur gezielte Untersuchungen könnten hier Klarheit schaffen.

Studienergebnisse, die die These des Verbands Familienarbeit stützen, haben Forscher des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim kürzlich in der Fachzeitschrift Biological Psychiatry veröffentlicht. Die Untersuchungen legen nahe, dass Stress in der Kindheit die Funktion von Genen beeinflussen kann, was das Risiko für die Entwicklung psychischer Erkrankungen im späteren Leben erhöht. Die Forscher untersuchten die Auswirkungen des Gens FKBP5 auf das Verhalten und die Hirnstruktur von 395 gesunden Probanden. Dieses Gen spielt eine wichtige Rolle bei der molekularen Regulation von Stress und wird mit der Entstehung stressbedingter Erkrankungen wie Depressionen in Verbindung gebracht. «Unsere zentralen Ergebnisse zeigen, dass eine veränderte Methylierung (ein regulatorischer Prozess, der die Aktivität von Genen steuert, Anm. d. Red.) von FKBP5 auf der neurobiologischen Ebene mit Hirnvolumenveränderungen im präfrontalen Cortex einhergeht», sagt Thomas L. Kremer, Erstautor der Studie. Die Studie ergab weiter, dass die funktionelle Veränderung des präfrontalen Cortex mit einer tiefer im Gehirn liegenden Struktur, der Amygdala, in Verbindung steht und dass Menschen, bei denen die regulierenden Einflüsse des präfrontalen Cortex auf die Amygdala geringer waren, stärker auf alltäglichen Stress reagierten.

Meldung aus factum 04/2024

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