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von Jörg Swoboda

Glaube

Goldreparatur

Kintsugi ist japanische Kunst. Ein schadhaftes Objekt wird aufgewertet. Der Makel wird nicht vertuscht, sondern geschmückt. So macht es Gott mit uns. Er ist ein Gott, der mich sieht.

Geht eine Schale zu Bruch, kommen die Scherben weg. Was sonst? Doch in diesem Fall hatte jemand ein Auge für die Bruchstücke. Er nahm die Scherben, ordnete sie umsichtig, nahm Klebstoff und fügte die Teile vorsichtig Scherbe für Scherbe zusammen. Und siehe da! Nun erfüllt sie wieder ihren ursprünglichen Zweck. In Japan nennt man die perfektionierte Reparaturmethode «Kintsugi», also «Goldreparatur». Geklebt wird mit einem Speziallack. Fehlende Scherben werden durch Kitt ergänzt. In den Lack wird als Dekorationseffekt zum Beispiel feinstes Pulvergold eingestreut. Der Makel wird nicht vertuscht, sondern geschmückt. So wird das schadhafte Objekt aufgewertet und schön in seiner Unvollkommenheit.

Das enthält eine wunderbare Botschaft: So macht es Gott mit uns. Er ist ein Gott der Hoffnung. Er hat ein Auge für die Bruchstücke auch unseres Lebens und kann daraus wieder etwas Nützliches und sogar Schönes machen. Das möchte ich an fünf biblischen Personen zeigen.

Hagar – die Verstossene

Die erste ist die ägyptische Magd Hagar, der wir die diesjährige Jahreslosung verdanken. Wann und warum betete sie: «Du bist ein Gott, der mich sieht»? Gott hatte Abraham und seiner Frau Sara versprochen, aus ihrer Ehe ein grosses Volk zu machen. Doch sie blieben jahrelang kinderlos. Enttäuscht und ratlos riet Sara ihrem Mann, ihrer ägyptischen Magd Hagar ein Kind zu machen. Damals durchaus üblich. Als Hagar schwanger wurde, sah sie auf ihre kinderlose Herrin herab. Deshalb machte Sara ihrem Mann nicht nur eine Szene, sondern rächte sich an Hagar so sehr, dass die gedemütigte Frau Hals über Kopf in ihre Heimat floh.

Was für ein Beziehungschaos! Scherben wie bei der Schale. Was tat Gott, um dieses gebrochene Menschenkind wieder heil zu machen? Nach einer strammen Wanderung von etwa 250 Kilometern geschah Folgendes: «Aber der Engel des HERRN fand sie bei einer Wasserquelle in der Wüste, nämlich bei der Quelle am Wege nach Schur» (1. Mose 16,7). Der Engel sprach sie freundlich an, erkundigte sich nach ihrem Befinden, tröstete sie und kündigte ihr einen Sohn an, den Gott zu einem grossen Volk machen werde. Das richtete Hagar wieder auf. «Und sie nannte den Namen des HERRN, der mit ihr redete, ‹Du bist ein Gott, der mich sieht›» (Vers 13). Sie liess sich zur Umkehr bewegen. Zurück bei Sara und Abraham brachte sie ihren Sohn Ismael zur Welt. Später bekam auch Sara ihren Sohn Isaak. Hagar ist unser erstes Beispiel dafür, dass Gott Menschen in Not nicht übersieht, nicht im Stich lässt, sondern hinschaut und ihnen hilft, wenn sie am Ende sind.

Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 03/2023

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