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von Raphael Berger
Freunde und Feinde der Wahrheit
«Was passiert, wenn Israel fällt ...?», fragt der jüdische Publizist Henryk M. Broder im Vorwort des neuen Buches von Giuseppe Gracia «Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen». «Diese Antwort», so Broder, «ist so grauenhaft, dass man sie nicht zulassen möchte.» Und doch: Die Beantwortung dieser Frage ist elementar.
Nicht nur für Israel, für den gesamten Westen steht in Israels derzeitigem Kampf gegen die fürchterlichen Abgründe des Bösen alles auf dem Spiel, auch wenn das den meisten Zeitgenossen nicht bewusst ist. Broder: «Die Härte, mit der die israelische Armee gegen die Hamas in Gaza und die Hisbollah im Libanon vorgeht, kommt auch daher, dass Israel es sich nicht leisten kann, einen Krieg zu verlieren, während die Gegenseite aus jeder Konfrontation militärisch geschwächt, aber moralisch und politisch gestärkt hervorgegangen ist. Ein verlorener Krieg wäre nicht nur eine militärischpolitische Niederlage, es wäre ein existenzieller Super-GAU, der letzte aller Kriege, das physische Ende des ersten jüdischen Staates auf historischem Boden seit 2000 Jahren.»
Ist am Ende der unter dem Druck der Vereinigten Staaten ausgemachte «Geisel-Deal» mit dem erzwungenen Waffenstillstand gar ein Schritt in Richtung dieses drohenden existenziellen «Super-GAU» (s. a. «Gottes Arbeit» oder «Allahs Dschihad», S. 10)? «Wer den Eindruck erweckt, Israel habe nicht nur die moralische Pflicht, sondern auch die realpolitische Macht, mit Terroristen zu verhandeln und ihren Hass auf das Judentum zu beenden, der fördert Antisemitismus, indem er die Realität der Hamas ausblendet», schreibt Gracia in seiner brillanten Analyse im ersten Teil des Buches.
Uralter Hass
Der Hass auf Juden ist seit dem 7. Oktober 2023 explodiert. Nach Angaben der Zionistischen Weltorganisation und der jüdischen Einwanderungsbehörde stieg die Zahl der weltweit gemeldeten antisemitischen Übergriffe im Jahr 2024 im Vergleich zu 2022 um 340 Prozent. Gegenüber 2023 verdoppelte sich die Zahl der Fälle. Das Jahr 2022 wurde als Vergleichsbasis herangezogen, weil es ein relativ normales Jahr war. Allein diese Tatsache zeigt, wie viel im Argen liegt. Der 7. Oktober wird in die Geschichte eingehen: Nie seit dem Holocaust wurden an einem Tag so viele Juden ermordet, vergewaltigt, massakriert.
Lange bevor die israelische Armee in den Gazastreifen – und später in den Libanon – einmarschierte, gab es diese neue Welle des Antisemitismus. Felix Klein, der Antisemitismusbeauftragte der Ampel-Regierung, sprach angesichts dieser Tatsache von einer «besorgniserregenden Absurdität». Es zeige, dass «der Antisemitismus mit dem Verhalten von Jüdinnen und Juden und auch letztlich mit dem Verhalten von Israel nichts zu tun hat». Vor diesem Hintergrund bezeichnet Giuseppe Gracia sein Buch als «Resultat einer beunruhigenden Erfahrung». «Da mag man sich als Autor jahrelang abmühen, das Phänomen Antisemitismus und Antiisraelismus zu erfassen, am Ende blickt man in einen irrationalen Abgrund», schreibt er. Man müsse versuchen, die Dinge beim Namen zu nennen und Stellung zu beziehen, auch wenn der Abgrund bleibe. Genau das tut er im vorliegenden Buch.
Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 02/2025
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