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von Pfr. Michael Freiburghaus
Evangelisation als Lebensstil
Schon länger beschäftigt mich die Frage, wie ich im Alltag besser von Jesus sprechen kann, um seinen Missionsauftrag zu erfüllen (Matth. 28,19–20, Mark. 16,15). Zwei erfahrene Missionare gaben mir dazu wertvolle Anregungen: «Wir müssen in die Welt gehen, um die nötigen Kontakte zu knüpfen und Leute in unser Leben miteinzubeziehen.»
Jim Petersen (1932–2022) diente als Missionar in Brasilien und war 17 Jahre lang der Vizepräsident von «The Navigators», einer weltweit tätigen Missionsgemeinschaft. Stephen McQuoid ist der Generaldirektor der Organisation «Gospel Literature Outreach», die europäischen Kirchen dabei hilft, Evangelisation zu fördern.
Weit mehr als Verkündigung
Als Hauptproblem eruiert Petersen, dass Christen säkularisierte Menschen fast nicht mehr mit dem Evangelium erreichen. Obwohl Säkulare vielleicht noch christlich geprägt sind, haben sie diametral unterschiedliche Denkvoraussetzungen: «Wir tun uns schwer damit, diese kulturellen Grenzen zu überschreiten. Es findet keine echte Kommunikation statt – wir reden eigentlich nur zu uns selber!» Dabei beschreibt er auch die Gefahr, sich als Christ entweder von der Welt abzukapseln – sich in ein christliches Milieu zurückzuziehen – oder in der Welt aufzugehen und kein christliches Zeugnis mehr zu vertreten.
Auch christliche Moralvorstellungen können Nichtchristen davon abhalten, zu Jesus zu kommen. Wichtig ist sowohl, die eigene ethische Tradition kritisch an der Bibel zu prüfen (und Unnötiges fallen zu lassen; sich umgekehrt aber auch zu fragen, wo die Bibel Gehorsam fordert und wir Kompromisse eingehen), als auch zu wissen, dass zuerst Gottes Liebe kommt (Dogmatik), danach die Änderung des Verhaltens (Ethik): «Wir tun dem Evangelium grosses Unrecht, wenn wir versuchen, unseren Glauben dadurch zu bezeugen, dass wir unsere moralischen Forderungen öffentlich verkündigen, unsere gemeindlichen Aktivitäten jedermann vorzeigen oder unser geistliches Leben genauestens beschreiben. [...] Wenn wir diese Reihenfolge umdrehen, versuchen wir, ihn [= den Nichtchristen] zu verändern, anstatt Gottes Heilung anzubieten.» Dennoch gilt: Je antigöttlicher unsere Welt wird – und das erleben wir derzeit in einer atemberaubenden Geschwindigkeit – desto stärker wird (und muss) der christliche Lebensstil ein Kontrastprogramm zur Gesellschaft sein. Das wird einige Nichtchristen neugierig auf Jesus machen, aber auch auf Ablehnung und Unverständnis stossen. Die Frage stellt sich, wo die Grenze verläuft, dass wir den «Griechen ein Grieche werden» (1. Kor. 9,19–23) und wo wir «Stopp» sagen müssen, weil wir unter der Autorität Gottes leben. Diese Spannung bleibt unser Leben lang bestehen. Wir tun gut daran, gleichzeitig Liebe und Wahrheit zu üben (vgl. Eph. 4,15; 2. Joh. 3), indem wir unseren nichtchristlichen Freunden mit Gottes Liebe begegnen, ihnen aber auch klarmachen, dass Gott heilig ist und deshalb die Umkehr zu ihm (Busse) mit einer grundlegenden Änderung des Lebenswandels verbunden ist (vgl. Matth. 4,17, Röm. 12,2).
Lesen Sie den ganzen Artikel factum 01/2023
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