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von Thomas Lachenmaier

Glaube

Es schmerzt, dass er Recht hat

Freiheit und der Schutz des Lebens gehören zusammen. Die erste Freiheit ist, am Leben gelassen zu werden, in Ruhe gelassen zu werden.

Der Autor lesenswerter Sachbücher1, Markus Krall, hat in einem prägnanten Kommentar für Tichys Einblick über das Versagen der Kirchen geschrieben2. Er erinnert die Kirchen daran (was bedauerlicherweise notwendig ist), dass «die Erlösungslehre des Christentums die Individualität und Freiheit des Menschen wie keine andere Religion anerkennt, schützt und für von Gott gegeben hält». Er erinnert die Kirchen auch an ihre eigentliche Kernbotschaft «die Erlösung des Menschen aus und trotz der Sünde». Die «Freiheit eines Christenmenschen» sei «von Gott erkauft» und sie bedeute «immer auch Wahlfreiheit» und setze «die Möglichkeit der Entscheidung zwischen Gut und Böse voraus. Dafür muss das Böse existieren. Es ist notwendige Bedingung für die Freiheit des Menschen, sich für das Gute zu entscheiden.»

Die «Selbstauslieferung der Kirchen» in die staatliche Abhängigkeit bedinge, dass sie ihren eigentlichen Auftrag verleugnen und sich ganz mit dem Mainstream gemein machen, sich ihm ideologisch unterwerfen. «Sie sind nur noch ein besonders fettes Glied in der langen Kette der NGOs, der ‹Non-Governmental Organizations›, die in Wahrheit gar keine Nicht-Regierungs-Organisationen sind, sondern die Tentakel des (...) alles umfassenden und allmächtig agierenden Staates», schreibt Markus Krall. Der Preis, der «für das permanente Füttern an der Staatszitze» zu erbringen ist, sei «Unterordnung, Anpassung und ideologische Konformität», so Krall. Das Ergebnis sei «eine Arbeitsteilung der Bevormundung, die – am Beispiel der evangelischen Kirche – noch nicht einmal dann haltmacht, wenn der kirchliche Beratungsschein zur Tötungslizenz für das ungeborene Leben wird, welches der Staat vorher per Gesetz für vogelfrei erklärt hat». Der «Akt der Beseitigung eines Menschen» werde dann auch noch in einem evangelischen Krankenhaus vollzogen, die «scheinmoralische Begründung der ‹Hilfe in der Not für die Frauen› wird als Kleister darübergestrichen. Man kann – wenn man keiner Kirche angehört – darüber anderer Meinung sein. Aber man kann niemals eine christliche Begründung dafür finden, dem Auslöschen eines Menschenlebens durch Kooperation den Anschein und Anstrich zu geben, es sei durch die christliche Lehre gedeckt.»

Krall kritisiert, dass die kirchlichen Amtsträger den Satz, dass «Gott die Sünde hasst, aber den Sünder liebt», bewusst falsch verstehen. Er werde «heute vielfach so uminterpretiert, als sei die Sünde selbst akzeptabel und hinzunehmen, ja nachgerade liebenswert, auf jeden Fall nicht mehr zu kritisieren. Tue man es doch, werde man schnellstens für irgendwie ‹-phob› erklärt». Den Auftrag der Kirchen sieht Krall «unter die Räder» gekommen – den Gottesdienst, die Seelsorge für die Menschen, trostspendende Gegenwart, die Gemeinschaft im Glauben, Handreichung bei der Erziehung der Kinder und Standfestigkeit im Kampf um die Seele gegen die Ideologie des Konsumterrors.

Es schmerzt, dass Markus Krall Recht hat, mit dem was er schreibt, auch damit, dass kein Mensch eine Kirche braucht, «die sich nicht mehr vom Mainstream einer fehlgeleiteten Gesellschaft unterscheidet».

1    Z. B.: «Die bürgerliche Revolution. Wie wir unsere Freiheit und unsere Werte erhalten», «Freiheit oder Untergang. Warum Deutschland jetzt vor der Entscheidung steht», beide Langen Müller Verlag
2    https://www.tichyseinblick.de/meinungen/das-versagen-der-kirchen/amp

Meldung aus factum 06/2023

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