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von Matthias Hilbert

Mensch

Es muss solche geben, die lieben

Jakob Künzler (1871–1949) war ein «Täter des Wortes»: Er setzte seine vielfältigen Talente zum Wohle der christlichen Armenier ein. Er heilte, half den Verschleppten, kümmerte sich um Waisen.

Der vor 75 Jahren am 15. Januar 1949 im libanesischen Ghazir verstorbene Jakob Künzler ist im Nahen Osten ungezählten Kranken, Verfolgten und Waisen zu einem Wohltäter geworden. Viele von ihnen gehörten dem geschundenen Volk der Armenier an, von dessen Genozid durch die Türken er als Augenzeuge 1921 in seinem Buch «Im Lande des Blutes und der Tränen» berichtete.

Jakob («Köbi») Künzler, geboren am 8. März 1871 in Hundwil (Kanton Appenzell) und schon früh verwaist, war von Beruf Zimmermann. Erfüllt von dem Wunsch, Gott in einer ganz besonderen Weise zu dienen, wollte er zu gerne Missionar werden. Doch seine Bewerbung am Basler Missionshaus wird abschlägig beschieden. Daraufhin lässt sich Künzler einige Jahre später im Diakonenhaus der Basler Mission zum evangelischen Diakon in der Krankenpflege ausbilden. Nach nur einjähriger Ausbildungszeit arbeitet «Bruder Jakob» dann im Basler Bürgerspital als Krankenpfleger.

Im Frühjahr 1899 sucht der Gründer der Deutschen Orientmission, Dr. Johannes Lepsius, den Diakon auf. Er berichtet ihm von dem Missionsarzt Hermann Christ, der nach Urfa im Süden der heutigen Türkei ins dortige Schweizer Missionshospital gegangen sei, um vor allem den Armeniern als Arzt beizustehen. Denn in Urfa, an der Grenze von Syrien gelegen, hatte der armenische Bevölkerungsteil bei den Massakern, die die Türken und Kurden 1895 im damaligen Osmanischen Reich an den Armeniern verübten, ganz besonders gelitten.

«Pflegen sie diese armen Brüder!»

Da nun Dr. Christ den ihm nicht unbekannten Jakob Künzler gern als seinen Mitarbeiter hätte, bemüht sich Lepsius um dessen Zusage: «Noch bluten die Armenier aus tausend Wunden und haben auch Sie als Pfleger nötig. Ziehen Sie hinaus und pflegen Sie diese armen Brüder. Vergessen Sie aber nicht, während Sie dies tun, auch deren Feinde, die Mohammedaner, etwas zu lieben und an ihnen wahre christliche Vergeltung zu üben.»

Und ob der damals 28-jährige Künzler will! Nachdem er in der bei Basel gelegenen Ausbildungsstätte der Pilgermission St. Chrischona einen Crashkurs in Türkisch erhalten hat, kommt er bereits 1899 in Urfa (heute Sanliurfa) an. Neben Türken wohnen in dieser multiethnischen Stadt unter anderem Armenier, Kurden, Syrer und Griechen. Im Krankenhaus wird bei der Behandlung der Kranken nicht nach Herkunft oder Religion gefragt. Künzler, der ungewöhnlich sprachbegabt war, beherrschte am Ende neben Englisch und Türkisch auch Armenisch, Kurdisch, Arabisch und Französisch, sodass er schon bald problemlos mit den Einheimischen kommunizieren konnte.

Als eines Tages der Krankenhausarzt verreist war und ein Mann mit akuter Blinddarmentzündung ins Spital eingeliefert wurde, führte Künzler die notwendige Operation kurzentschlossen selbst durch. Sie gelang ihm so vortrefflich, dass er später infolge von Ärztemangel oder -abwesenheit viele weitere (und zugleich sehr unterschiedliche) Operationen vornahm. Daneben eignete er sich durch das Lesen von Fachliteratur auch sehr gute theoretische medizinische Kenntnisse an. Als er sich 1919 während eines Heimaturlaubes an der Universität Basel von zwei Professoren in den Fächern der Chirurgie und der Inneren Medizin examinieren liess, bestand er die Fähigkeitsprüfung zum Arzt dann auch mit Auszeichnung.

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