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von Bettina Hahne-Waldscheck

Mensch

Eric Metaxas: Sturm im Wasserglas

Eric Metaxas ist ein konservativer Christ aus New York, Bestsellerautor und Moderator einer Radiosendung, in welcher er antibiblische, links-woke Strömungen kritisiert, sich gegen Abtreibung und Gender-Transition ausspricht. Nun hat sich die SCM-Verlagsgruppe von ihm als Autor distanziert. Hintergrund ist eine Debatte über sogenannte christliche Nationalisten in den USA.

Einem Offenen Brief zufolge, der in der ZEIT erschien, missbrauchen «christliche Nationalisten» in den USA das Erbe des deutschen Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer (1906–1945). Diesen Brief haben auch die früheren Bischöfe und EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm und Wolfgang Huber unterschrieben. In dem Brief wird auch vor dem Kinofilm «Bonhoeffer: Pastor, Spion, Attentäter» gewarnt, da er zu sehr einen Bezug zur Gegenwart herstelle. In den USA finde sich eine «gefährliche Widerstandsrhetorik, die sich auf Dietrich Bonhoeffer beruft, vor allem in Kreisen, die sich dem christlichen Nationalismus verschrieben haben», heisst es in dem Brief. Auch Metaxas wird erwähnt. Bonhoeffer stünde im Gegensatz zu den «gewaltbereiten» christlichen Nationalisten «für Gerechtigkeit und Nächstenliebe».

Metaxas, Autor einer Bonhoeffer-Biografie bei SCM, protestiert seit Jahren gegen eine gottlos gewordene Regierung und ist Trump-Unterstützer. Dabei beruft er sich auf den deutschen Widerstandskämpfer, der während der Nazi-Zeit gegen das Regime aufgestanden ist und nicht aus Angst geschwiegen hat. «Gewaltbereit» ist Metaxas nicht. Doch sein Vergleich mit dem Widerstand während der Zeit des Nationalsozialismus geht einigen zu weit. Wie der Pressesprecher der Stiftung Christliche Medien und der SCM-Verlagsgruppe, Jürgen Asshoff, auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA mitteilte, ist die Zusammenarbeit mit Metaxas ausgelaufen: «Vor dem Hintergrund seiner jüngsten Positionierungen, die stärker politisch als fachlich sind, würden wir von einer erneuten Zusammenarbeit absehen, sollte diese uns angeboten werden.»

uf die Frage, was denn heute ähnlich sei wie damals in Deutschland unter Bonhoeffer, sagte Metaxas dem «Atlantic»: «Wenn man damals nicht auf Parteilinie war, bekam man Ärger, die Menschen dachten nur noch, wie sie sich am besten verhielten, um nicht anzuecken. In diesem Moment verliert man seine Freiheit. Nur ein Millimeter in diese Richtung ist mir zu viel.»

Metaxas erntete wegen des ihm vorgeworfenen «Missbrauchs» von Bonhoeffer auch Kritik von liberalen christlichen Kreisen in den USA, der Bonhoeffer Society und Nachkommen Bonhoeffer’s selbst, die fürchten, «rechtsextreme Antidemokraten» könnten nach dem Sehen des Films (ab 22. November), produziert von den «rechts-evangelikalen» Angel Studios, zu Gewalt anstacheln.  

Das ist kaum zu befürchten. Metaxas engagiert sich für Wahrheit, Nächstenliebe, benennt gefährliche heutige Strömungen wie «Cultural Marxism» (kultureller Marxismus), setzt sich gegen Antisemitismus, Cancel Culture und gegen eine schweigende liberale Sonntags-Religion ein. «Wenn ein Christ sonntags die Kirche verlässt, soll er sich nicht den Rest der Woche säkularen Autoritäten beugen, sondern seinen Glauben an Jesus jeden Tag der Woche in jeder Sphäre seines Lebens für Gottes Absichten einsetzen.»

Metaxas schwimmt mutig gegen den Strom, rüstet Christen zu, ermutigt und versorgt mit politischem Hintergrundwissen. Seine Analysen sind gut auf den Punkt gebracht. Umso bedauernswerter, wenn diese Stimme nicht mehr vom grössten evangelikalen Verlag Deutschlands aufgelegt wird.

Meldung aus factum 01/2025

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