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von Karin Bauer

Mensch

Ein Wunderwerk Gottes

Unsere Stimme ist ein alltäglicher Begleiter. Hinter dieser scheinbar spielend leichten Funktion verbergen sich erstaunliche Funktionalität, Mechanik und Ästhetik. Alles weist auf Planung hin.

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das komplexe geistige Informationen aussenden und entschlüsseln kann. Er verfügt über ein Stimmsystem, das eine filigrane und instrumental anmutende Matrix aufweist. Die Stimme hat eine grosse Bandbreite. Sie reicht von Verlautbarungen, wie dem Seufzen oder Lachen, über eine «Alltagssprache» bis zum kunstvollen Gesang. Trotz allgemeingültiger physikalischer Grundprinzipien ist jede Stimme so einzigartig wie unser Fingerabdruck. Dabei verfügen Menschen nicht über ein separates Stimmorgan wie Vögel. Für den Einsatz von Sprache und Gesang interagieren mehrere Körpersysteme. Als Klangquelle nimmt der Kehlkopf eine zentrale Rolle ein und entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein Wunderwerk Gottes.

Überlebenswichtiges Organ

Der Kehlkopf ist ein zentrales und vielseitiges Organ. Er ist an der Sicherung des Überlebens sowie an der Beweglichkeit und Stabilisierung des Körpers beteiligt. Die Fähigkeit, Klänge zu erzeugen, kommt sozusagen «on top» dazu. Die vielen anatomischen Details, die der Kehlkopf aufweist, ergeben jedoch erst Sinn, wenn man die Funktion eines ästhetischen Stimmklangs betrachtet. Der Kehlkopf hängt – über Bänder und Muskelketten im Innern des Halses vertaut – zwischen Kopf und Körper und besteht aus mehreren Einzelknorpeln. Diese sind alle auf flexible Weise über Gelenke und Bänder miteinander verbunden. Dank dieser Bauweise ist er in alle Richtungen und auch im Innern vielseitig beweglich.

Der grösste Knorpel legt sich wie ein Schiffsbug um das Innere. Diese «Bugspitze» ist bei Männern zum Teil als «Adamsapfel» sichtbar. Weitere Teile sind der Kehldeckel und der Ringknorpel, auf dem zwei kleine pyramidenförmige Stellknorpel balancieren. An diese schmiegen sich weitere Feinteile an. Die Stellknorpel und ihre «Anhängsel» sind Teil eines äusserst komplexen Mechanismus, mit dem sich die Stimmritze, der Spalt zwischen den Stimmlippen, öffnen und schliessen lässt. Der Innenraum des Kehlkopfes ist mit Muskulatur und Schleimhäuten ausgestattet. Innere und äussere Kehlkopfmuskeln sorgen für effiziente und höchst funktionale Stabilität und Beweglichkeit. Für die Kehlkopffunktionen unerlässlich ist auch das komplexe Faszien- und Schleimhautgewebe. In und am Kehlkopf stellen insgesamt fünfzehn angelegte Bänder ein hohes Mass an Flexibilität sicher. Jede Kehlkopffunktion ist entweder auf eine differenzierte Beweglichkeit oder auf Stabilität angewiesen. Die Aufgabenfülle des Kehlkopfes lässt sich in mehrere Ebenen gliedern.

Die primäre Aufgabe des Kehlkopfes ist es, den Atemweg frei zu halten und zu schützen. Dabei kommt ein dreiteiliges Verschlusssystem zum «Einsatz»: der Kehldeckel als schützendes Dach und inwendig zwei Ebenen mit Gewebefalten, die den Luftweg ebenfalls verschliessen können. Beim Schlucken legt sich der Kehldeckel schützend über die obere Öffnung. Zur Reinigung des Atemsystems führt der Kehlkopf Reflexe wie das Husten und Räuspern aus. Hinzu kommen Reflexe zur körperlich-seelischen Stressentladung, wie zum Beispiel Weinen, Schluchzen, Jubeln, Jauchzen, Lachen, Stöhnen oder Seufzen. Mit ihnen können über den Kehlkopf Spannungen gelöst und emotionaler Druck abgebaut werden. Diese Funktion ist über die Zusammenarbeit mit dem Limbischen System, dem Sitz unserer Emotionen, möglich.

Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 06/2024

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