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von factum-Redaktion
Ein Rätsel für Evolutionsbiologen
Bei dem mausgrossen Fossil kann sogar das versteinerte Fell «en detail» untersucht werden, so Prof. Thomas Martin vom Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Universität Bonn: «Das ist bislang völlig beispiellos.»
Bei dem kreidezeitlichen Säuger sind die Rückenhaare zu kleinen Stacheln verschmolzen. Sie ähneln denen eines Igels. Ihnen verdankt der Kleinsäuger seinen Namen Spinolestes (von spinosus lat. = stachelig). Es ist das erste Mal, dass Paläontologen bei einem Fossilfund aus dem Erdmittelalter Stacheln nachweisen konnten. Die Rückenhaut des Tieres war zudem teilweise mit kleinen hornigen Plättchen bedeckt. «Wir kennen diese Merkmale von den heutigen Stachelmäusen aus Afrika und Kleinasien», erklärt Prof. Martin. «Wenn diese von einem Räuber am Rücken gepackt werden, lösen sich die Stacheln von der Haut ab. Die Maus kann fliehen; dem Angreifer bleibt nichts als ein Maul voller Stacheln.»
Die Einordnung des Fundes in evolutionstheoretische Stammbäume ist nicht möglich. «Wir können den Fund keiner heute lebenden Säugergruppe zuordnen», betont Prof. Martin. «Er weist zwar Merkmale auf, die wir auch bei heutigen Säugetieren finden. Diese sind aber kein Verwandtschaftszeichen, sondern unabhängig entstanden – sie sind im Laufe der Evolution mehrmals ‹erfunden› worden.»
Spinolestes sei sehr gut an seine ökologische Nische angepasst gewesen und sehr hoch entwickelt. Damit reihe sich das Fossil in eine ganze Reihe neuerer Funde ein. «Wir müssen wohl umdenken», betont Martin. «Primitiv waren die Säugetiere zu Zeiten der Dinosaurier ganz gewiss nicht.»
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