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von Stefan Felber
Ein «Loch im Reich des Teufels»
In Talkshows werden oft die Gedanken nicht zu Ende geführt, man lässt einander nicht ausreden oder unterstellt dem politischen Gegner abwegige Vorstellungen, die man dann leicht beiseiteschieben kann. Auch wenn diese Probleme teilweise auf mangelndes Benehmen zurückgehen, so zeigt sich: Die Möglichkeiten der Sprache zu Differenzierung und Komplexität werden nicht ausgeschöpft. Manche Politiker formulieren keine ganzen Sätze mehr, man vergleiche nur Merkel und Trump mit ihren jeweiligen Vorgängern.
Nun kommt es noch dicker: In amtlichen Schriften des US-Parlaments sollen – laut einem neuen Verhaltenskodex der Demokraten – die Wörter Vater, Mutter, Sohn, Tochter nicht mehr vorkommen. Die Schweizerische Eidgenossenschaft verzichtet in amtlichen Publikationen zwar weiterhin auf den Genderstern, das generische Maskulinum ist jedoch nicht mehr zulässig. Verschiedene deutschsprachige Nachrichtenagenturen haben ein gemeinsames Vorgehen vereinbart, um «diskriminierungssensibler» zu schreiben und zu sprechen. Die allgemeingültige männliche Form soll schrittweise zurückgedrängt werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO wittert Diskriminierung und benennt Corona-Varianten um. Statt «britische» oder «indische» Virus-Variante heisst es nun Alpha und Delta. Auch die Evangelische Kirche Deutschlands liegt im Trend und gibt in einer Broschüre Tipps zum «geschlechtergerechten» Formulieren. Sogar das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken schwenkt auf den Genderstern ein, denn «die Wirklichkeit ist komplexer als die klassische binäre Leseart der Schöpfungsordnung es darstellt». Der Duden ist ebenfalls auf den Zug aufgesprungen und will bis Ende Jahr mehr als 12 000 Personen- und Berufsbezeichnungen mit weiblicher und männlicher Form in den Online-Duden aufnehmen. Bei ARD, ZDF und SRF wird der Genderstern vermehrt «hörbar» gemacht und die Bundeswehr hat bemerkt, dass die Einmannpackung, bestehend aus Hartkeksen, Bitterschokolade, Dosenbrot, Instantkaffee, einer Hauptmahlzeit und vielem mehr, nicht geschlechtergerecht ist und geht deshalb über die Bücher.
Und trotzdem: Eine überwiegende Mehrheit der Deutschen lehnt die von oben nach unten durchgesetzte Rechtschreibreform von 1998, welche die Sicherheit über richtige und falsche Schreibungen nachhaltig erschüttert hat, nach wie vor ab (Allensbach-Umfrage von 2015) und hält das Gendern gemäss einer Forsa-Umfrage für unwichtig und störend. 53 Prozent befürworten jüngst in einer SPIEGEL-Umfrage ein Verbot geschlechtergerechter Sprache für staatliche Stellen. Was also läuft hier verkehrt?
Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 06/2021
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