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von Yvonne Schwengeler
Die Inflation eines Wortes
Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass das Wort «Treue» in unserem Sprachgebrauch kaum noch vorkommt? Nicht nur der Begriff ist vielen fremd geworden, auch die Bedeutung dieses Wortes, nämlich «beständig, feststehend, zuverlässig», verliert in unserer Gesellschaft zunehmend an Wert. Was aber ist, wenn etwas an Wert verliert? Inflation, der Kaufkraftverlust, ist ein Schreckgespenst, das heutzutage wieder vermehrt durch die Medien geistert. Wird plötzlich alles teurer und vieles nicht mehr erschwinglich, schafft dies Unsicherheit und Angst. Genauso ist es mit der Treue in einer Beziehung. Können wir uns nicht mehr auf unseren Ehepartner, den Freund oder den Geschäftspartner verlassen, wankt der Boden unter unseren Füssen.
Treue ist das, was wir in der Regel von andern fordern. Sind wir aber bereit, selbst treu zu sein? Dabei geht es nicht nur um Sexualität. Treue beinhaltet, ein Versprechen zu halten, das man einem Menschen gegeben hat, unabhängig vom Verhalten des andern. Lieben, auch ohne Antwort der Liebe? Festhalten an einem Versprechen, obwohl der andere es gebrochen hat? «Die zweite Meile mitgehen», selbst wenn der andere auf der ersten schon abgebogen ist? Wir merken: Da wird es schwierig. Das können wir aus uns selbst nicht.
Das Original
Gottes Wort hält uns immer wieder den Spiegel vor. Ohne ihn sind wir unfähig zur Treue. In der Bibel wird uns Gott an vielen Stellen als der Treue vorgestellt. Er steht zu dem, was er gesagt hat, seien es Verheissungen oder Gerichtsankündigungen. Er ist nicht, wie heute viele Christen meinen, von einem zornigen Gott im Alten Testament zu einem liebenden Gott im Neuen Testament «mutiert». ER ist und bleibt derselbe, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Aus vielen Stellen wird jedoch deutlich, dass Gottes Treue an seine Barmherzigkeit, Geduld und Güte gekoppelt ist: «Du aber Herr, Gott, bist barmherzig und gnädig, geduldig und von grosser Güte und Treue» (Ps. 86,15). Was haben wir für einen Gott! Nicht nur in der harten, erziehenden Konsequenz ist er treu, sondern auch in seiner Güte, Barmherzigkeit und Geduld.
Geht es aber um die Übertretung des Gesetzes, dann heisst es nicht, Gott sei treu und gütig. Dann ist er treu und gerecht. Wir hätten gerechterweise das Gericht verdient. Aber auf der Grundlage des Kreuzes, wo Jesus stellvertretend für uns das Gericht trug, erfahren wir völlige Vergebung und ein unverbrüchliches Erbe, das allein auf Gottes Güte und Treue beruht. Diese Treue kann durch nichts erschüttert werden. Was für ein Geschenk, was für ein Vorrecht. Und was für ein Vorbild auch für unsere Beziehungen, die so oft von Unverbindlichkeit und Treulosigkeit geprägt sind.
Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 05/2023
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