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von Thomas Lachenmaier
Deutlich und sichtbar fest eingeknüpft
Der Chefideologe der «NSDAP», Alfred Rosenberg, empfahl, das Alte Testament kurzerhand abzuschaffen. In einem Akt vorauseilendem Gehorsam dem Staat gegenüber gründeten elf Landeskirchen das «Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben». Sie strichen hebräische Begriffe aus der Bibel wie etwa Herr Zebaoth, Zion, Hosianna und Halleluja – und das oben genannte Jesuswort. Ihr Ziel war eine «entjudete» Bibel, eine Bibel in nazi-gerechter Sprache. «Die Arbeit des Entjudungsinstituts war ein Beitrag des Protestantismus zur Vernichtung der europäischen Juden», schrieb Paul Kahl in einem Beitrag für die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ). Der Gehorsam der Christen dem Führer-Staat gegenüber ist ein düsteres Kapitel der Kirchengeschichte. Das «Entjudungsinstitut» ist ebenso Ausdruck davon wie die «Deutschen Christen», die den christlichen Glauben in die Nazi-Ideologie integrierten. Hitler verachtete den Bibelglauben (im Gegensatz zum Islam, den er wertschätzte), im kleinen Kreis verlautete er einmal, er wolle die Kirche «abfaulen lassen wie ein brandiges Glied».
Auch heute gibt es Menschen, die sich als Christen verstehen und das Alte Testament für obsolet halten oder eine Ersatztheologie lehren, wonach das jüdische Volk und Israel seines Ungehorsams wegen von Gott verworfen sei. Sie wollen nicht sehen, dass Gott Israel als das Volk bezeichnet, das er sich geschaffen hat und dem er immer wieder eindringlich in der Schrift seine ewige Treue versichert hat und das er niemals verlassen wird. Auch Paulus betont im Römerbrief diese unverbrüchliche Treue und Gnade des Herrn zu seinem Volk.
Jede Kirche, die sich von dem biblischen Eigenanspruch, von der ersten Seite bis zur letzten Zeile Gottes inspiriertes Wort zu sein, entfernt, wird gemäss Hitlers Wunsch «abfaulen wie ein brandiges Glied». Gottes Entschlossenheit, sein Volk Israel, noch im Unglauben, «in sein Land und zu sich selbst zurückzuführen» (wie das der neuseeländische Fotograf Perry Trotter einmal so schön formulierte), ist der starke rote Faden, der durch die ganze Bibel hindurch eingewoben und deutlich sichtbar fest eingeknüpft ist. Mit «meinem ganzen Herzen und mit meiner ganzen Seele», verspricht Gott, wird er seinem Volk dieses «Gute» tun und sie «in diesem Land pflanzen in Treue» (Jer. 32,41). Freude in schwerer Zeit ist, dies mit eigenen Augen heute sehen zu können.
Kommentar aus factum 01/2021.
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