© shutterstock.com/Nao-Novoa

Uhr
von Raphael Berger

Mensch

Der nächste Streich

Im Rahmen der Totalrevision des Gesundheitsgesetzes will der Kanton St. Gallen Personen, die eine angeordnete Impfpflicht nicht befolgen, mit Bussen von bis zu 20 000 Franken belegen. Damit werden die falschen Schlüsse aus der Corona-Zeit gezogen. Auch rechtlich steht die geplante Regelung auf wackeligen Füssen. Gegen die Einschränkung der Freiheitsrechte regt sich Widerstand.

Die zahlreichen Rückmeldungen auf die am 16. Januar zu Ende gegangene Vernehmlassung zeigen: Der Regierungsrat hatte mit einem derart starken Echo offensichtlich nicht gerechnet. Nach Informationen der Sendung «10 vor 10» des Schweizerischen Radio und Fernsehen SRF erhielt der zuständige Regierungsrat, Bruno Damann von der Mitte-Partei, 2500 Reaktionen. Sie zeigen klar: Eine Impfflicht in Kombination mit einer Busse wird von einer Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt.

Konkret sieht der Entwurf des Gesundheitsgesetzes St. Gallen (GesG) vom 4. September 2025 eine neue Impfpflicht vor. Gemäss Art. 18 GesG könnte die Regierung Impfungen durch Verordnung für obligatorisch erklären. Sie stützt sich dabei auf Artikel 22 des nationalen Epidemiengesetzes (EpG), wonach Kantone Impfungen für gefährdete Bevölkerungsgruppen, für besonders exponierte Personen und für Personen, die bestimmte Tätigkeiten ausüben, für obligatorisch erklären kann, sofern eine erhebliche Gefahr besteht. Wer sich einer kantonal angeordneten Impfpflicht widersetzt, soll gemäss Art. 141 GesG mit bis zu 20 000 Franken gebüsst werden. In seinem Bericht zur Revision hält der Regierungsrat fest, die kantonale Bestimmung zur Impfpflicht sei «lediglich eine Ausführungsbestimmung» und bilde «nicht die eigenständige Grundlage eines kantonalen Impfobligatoriums».

Für Ralph Studer, Jurist und Mitarbeiter der Stiftung Zukunft CH, stellt sich deshalb die Frage, wie eine Busse für die Missachtung eines solchen Impfobligatoriums überhaupt auf kantonalem Recht beruhen könne. Er verweist auf Art. 83 EpG, der die Strafbestimmungen im Umgang mit übertragbaren Krankheiten regelt und genau festlegt, welche Verstösse strafbar sind. «Die Missachtung eines kantonalen Impfobligatoriums gehört nicht dazu», so Studer. Für ihn ist der Fall klar: «Eine Strafnorm, die auf einer nicht eigenständigen Grundlage aufbaut, kann nicht bestehen.» Wo der Bund eine Materie abschliessend regle, bleibe für kantonale Strafnormen schlicht kein Raum.

Studer verweist zudem auf die Parlamentsdebatte zum EpG, die deutlich zeige, dass der Bundesgesetzgeber ein Impfobligatorium für bestimmte Personengruppen ermöglichen wollte, ohne den Kantonen die Möglichkeit zu geben, Druck oder Zwang auszuüben. Überdies stellten Impfungen «Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit und in höchstpersönliche Rechte dar». Deshalb würde die Einführung einer Busse für den Verstoss gegen eine kantonale Impfpflicht «mit der persönlichen Freiheit in Artikel 10 Absatz 2 unserer Bundesverfassung in Konflikt geraten.»

Das «Aktionsbündnis freie Schweiz» (ABF Schweiz) schreibt denn auch: «Was sich hier zeigt, ist weit mehr als eine kantonale Gesetzesrevision. Es geht um rechtsstaatliche Grundlagen, demokratische Kontrolle und um die Konsequenzen aus der Corona-Zeit.» Der Regierungsrat des Kantons St. Gallen offenbart mit seinem Vorstoss exemplarisch, wie wenig er daraus gelernt hat.

Meldung aus factum 02/2026

Zurück

Wir möchten eine klare christliche Stimme in unserer Gellschaft sein - unabhängig, bibeltreu und aktuell.
Damit das gelingt, sind wir auf Ihre unterstützung angewiesen.

Neue News

© shutterstock.com/concepts
Glaube

Christen im Visier

Die Situation der verfolgten Christen in Pakistan wird immer schlimmer. Das ist auch eine Folge der Blasphemie-Gesetze. Abschätziges Reden über den Koran oder über Mohammed kann in Pakistan mit dem Tod bestraft werden.

[mehr] Christen im Visier
© shutterstock.com/SerPhoto
Glaube

Wie Jesus Europa reich macht(e)

Die westliche Kultur ist Sinnbild für Freiheit, Menschenwürde und Wohlstand. Der Anthropologe Joseph Henrich erforscht deren Gründe. Seine interessanten Ergebnisse gibt es nun in Buchform.

[mehr] Wie Jesus Europa reich macht(e)
© shutterstock.com/Andrei-Dubadzel
Natur

Abfall aufgewertet

Forscher der ETH Zürich und der Empa haben einen Weg gefunden, Sägemehl, das heute meist als Abfall im Ofen landet, mit einem Mineralbinder zu einem schwer entflammbaren, robusten Material zu pressen. (1) Dieses ist sogar kreislauffähig.

[mehr] Abfall aufgewertet

Mehr entdecken

ethos – Glaube. Schöpfung. Welt.

Neben factum gibt der Schwengeler Verlag eine weitere Zeitschrift heraus. ethos macht Mut, informiert über Zeittrends und erleichtert die Meinungsbildung. Die Familienzeitschrift erscheint 12-mal jährlich und spricht alle Altersgruppen an. Das Evangelium von Jesus Christus steht im Zentrum und bringt damit die Frohe Botschaft mitten ins Leben.

open hands – Hoffnung, die hilft.

Die christlich-soziale Osthilfe unterstützt Menschen in
Rumänien – praktisch, herzlich und im Vertrauen auf
Gottes Wort.