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von Pfr. Michael Freiburghaus

Mensch

«Christ und gar nichts anderes»

Graf Helmuth James von Moltke (1907–1945) leistete gewaltlosen Widerstand gegen Hitler. Was hat er uns heute angesichts sich totalitär gebietenden Staaten in gottlosen Zeiten zu sagen?

Helmuth James von Moltke stammte aus einem mecklenburgischen Adelsgeschlecht und hatte in der Kindheit eine Prägung durch die Bewegung «Christian Science» (Christliche Wissenschaft) seiner Eltern. Der studierte Jurist arbeitete als Reichsanwalt und Völkerrechtler im Oberkommando der Wehrmacht, wo er Widerstand gegen den Nationalsozialismus leistete, indem er Juden bei der Auswanderung half und sich für die Opfer des Nationalsozialismus einsetzte. Sowohl sein Grafentitel als auch seine bekannte Herkunftsfamilie ermöglichten ihm dieses Wirken in Freiheit. Sein Urgrossonkel Helmuth Karl Bernhard von Moltke (1800–1891) war preussischer Generalfeldmarschall (höchster Offizier), der von den Nazis für seine Verdienste in den Deutschen Einigungskriegen sehr geschätzt wurde.

In Moltkes Schloss in Kreisau bildete sich der Kreisauer Kreis, eine Widerstandsbewegung, die sich die Frage stellte, wie Deutschland nach Hitler geistig-moralisch und poltisch-rechtlich zu gestalten sei: «Wir sehen im Christentum wertvollste Kräfte für die religiös-sittliche Erneuerung des Volkes, für die Überwindung von Hass und Lüge, für den Neuaufbau des Abendlandes, für das friedliche Zusammenarbeiten der Völker» (Ergebnisse der Besprechungen vom 22. bis 25. Mai 1942).

Am 19. Januar 1944 wurde Moltke von der Gestapo verhaftet. Vor Roland Freisler, dem Präsidenten des Volksgerichtshofes, erklärte Moltke, er stehe vor Gericht «nicht als Protestant, nicht als Grossgrundbesitzer, nicht als Adliger, nicht als Preusse, nicht als Deutscher [...] sondern als Christ und als gar nichts anderes». Moltke wurde am 23. Januar 1945 im Gefängnis Berlin Plötzensee hingerichtet. In seinem Jahr des Gefangenseins intensivierte sich sein christlicher Glaube. Seine spannenden Erkenntnisse haben auch für uns heute hohe Bedeutung angesichts zunehmender Ideologien und sich totalitär aufspielender Staaten. Einige davon wollen wir im Folgenden betrachten.

«Nur keine bequeme Auswahl!»

«Bei der lang anhaltenden Lektüre des Alten Testaments ist doch eines beeindruckend: das Ganze ist eine Illustration zum ersten der 10 Gebote», schrieb Moltke an seine Frau Freya. Besonders stärkten und prägten ihn Josua 1,9 sowie Jeremia 11,18 ff. Im Gefängnis lernte er viele Bibelverse auswendig, weil er befürchtete, hingerichtet zu werden. «Wenn Du ein Mal die Bibel wirklich ernsthaft zu lesen beginnst, dann darfst Du Dich nicht auf das beschränken, was Dir passt, sondern musst Dich auch und gerade mit dem rumschlagen, was Dir nicht passt. Nur keine bequeme Auswahl! Deswegen meine ich, dass meine Methode richtig ist, die ganze Bibel Wort für Wort immer wieder von vorne bis hinten zu lesen» (Moltke an seine Frau Freya, 02.01.1945).

Wenn wir Bibelverse, beispielsweise die täglichen Losungen, auswendig lernen, prägt uns Gottes Wort tiefer und bereichert unseren Alltag. Ausserdem hilft es, in Versuchungen Gott treu zu sein, wenn man sich den passenden Bibelvers in Erinnerung rufen kann (vgl. Matth. 4,1–11).

Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 03/2024

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