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von Thomas Lachenmaier

Mensch

Bedrohung, Personenschützer, Exil

Sabatina James, die seit vielen Jahren muslimischen Frauen hilft, die von Ehrenmord bedroht oder in anderer Weise von familiärer Gewalt betroffen sind, ist aus Sicherheitsgründen offenbar ins Ausland verzogen. Sie ist nicht die Einzige, die mittlerweile zu diesem Schritt gezwungen war.

Die zum Christentum konvertierte, aus Pakistan stammende James erhielt häufig Todesdrohungen wegen ihres Engagements für Musliminnen und wegen ihrer islamkritischen Bücher und Interviews. Sie konnte sich nur noch unter massivem Polizeischutz bewegen und hatte keinen festen Wohnsitz mehr. Immer wieder musste sie ihre Wohnung von einem auf den anderen Tag wechseln. Das von ihr gegründete Hilfswerk «Sabatina e. V.» unterstützt Mädchen und Frauen, die von familiärer Gewalt betroffen sind, hilft vor Gericht bei Vergewaltigungen, verhilft Mädchen und Frauen zur Flucht, wenn dies notwendig ist.

Nach konkreten Bedrohungen ist auch der Evangelist und Autor («Der wahre Feind – warum ich kein Terrorist geworden bin») Nassim Ben Imam untergetaucht. «Eine neue, konkrete Bedrohung erfordert, dass ich meinen Dienst hier einstelle», so Ben Imam. Er stehe jetzt vor der Entscheidung, «ausserhalb des deutschen Sprachraums» tätig zu werden. Es gibt viele christliche, säkulare und auch muslimische Islamkritiker, die sich in europäischen Ländern nur noch unter dem Schutz von Leibwächtern bewegen können oder ins Exil gegangen sind. Dazu gehören Ayaan Hirsi Ali, die mittlerweile in den USA lebt, die französische Journalistin Zineb El Rhazoui, der Schriftsteller Boualem Sansal und der unter dem Schutz mehrerer Personenschützer stehende Autor Hamed Abdel-Samad. Er verlässt das Land offenbar ebenfalls.

Der Wegzug von Sabatina James wurde am Rande der Verleihung des Gerhard-Löwenthal-Preises an die Menschenrechts-Aktivistin bekannt. Sie konnte aufgrund der Bedrohungslage nicht persönlich teilnehmen und dankte in einer Video-Botschaft. Da sie in Europa nicht mehr sicher sei, habe sie den Kontinent verlassen. Es wird angenommen, dass sie jetzt in Nordamerika lebt.

(Artikel aus factum 01/2018)

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