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von Thomas Baumann
Auf Wiedersehen, Sam!
Zu den Sängern und Musikern, die mich über ihre Musik hinaus mit ihrem gelebten Glauben beeindruckten, gehören neben den «Five Blind Boys of Alabama», die ich in den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts in einer südhessischen Kirche einmal live erleben konnte, und den «Staple Singers» auch «Mighty» Sam McClain, der im Juni 2015 im Alter von 72 Jahren starb.
Unvergesslich bleibt für mich sein Auftritt in Aschaffenburg zu Beginn der 2000er-Jahre. Wir hatten uns zu viert aufgemacht – mein Schwager, mein Bruder, mein Sohn und ich – und vorausschauend zwei günstige Hotelzimmer gebucht, damit wir nicht nachts wieder zurückfahren mussten. Wir erlebten ein denkwürdiges Konzert. Sam McClain wurde von einer grossen Tourband begleitet, exzellenten Musikern, mit denen er auch sein damals aktuelles Album «Sweet Dreams» eingespielt hatte. Zum krönenden Abschluss waren wir auf Initiative meines Bruders sogar in der Künstlergarderobe gelandet, wo wir uns bei dem etwas überraschten Sänger persönlich bedanken konnten.
Sam McClain war trotz toller Stimme und Persönlichkeit die meiste Zeit seines Lebens auf der Schattenseite unterwegs, hatte Entbehrungen, Missachtung und Demütigung erlebt, seit er mit dreizehn Jahren von zu Hause abgehauen war, um seinem Stiefvater zu entfliehen, der ihn verprügelte. Er schlug sich mit den unterschiedlichsten Jobs durch, war auch eine Zeitlang obdachlos.
Erste Erfahrungen mit dem Singen hatte er als Fünfjähriger im Kirchenchor seiner Mutter gemacht, deshalb versuchte er nach seiner Flucht von zu Hause und neben seinen diversen Jobs als Sänger in verschiedenen Formationen unterzukommen. Den grossen Durchbruch hat er nie geschafft, aber viele hat er inspiriert, nicht aufzugeben, weiterzugehen, auf den lebendigen Gott zu vertrauen.
Im Laufe der 1980er-Jahre ging es dann mit seiner Laufbahn als Sänger langsam aufwärts, sodass er schliesslich von seiner Musik zumindest einigermassen leben und anderen, denen es schlechter ging als ihm, helfen konnte. Er war ein unermüdlicher Zeuge, der sich nicht davon abhalten liess, sich zu Jesus zu bekennen, auch nicht von der Klage seiner alten Freunde, die sein klares Bekenntnis anscheinend manchmal genervt hat; nach ihrem Kommentar «Too much Jesus (not enough Whisky)» («zu viel Jesus, nicht genug Whisky») hat er prompt sein vorletztes Album (2012) genannt, auf dem er sich wieder fröhlich und unbeirrt zu Jesus bekennt.
Sein Verständnis von Nachfolge und wohl auch seine eigenen Erfahrungen motivierten ihn, sich für Arme, für Obdachlose, für die vom Leben Gebeutelten einzusetzen. Ermutigung, Hoffnung, Vertrauen sind Themen, die sich in vielen seiner Songs finden.
Es ist gut, dass es Menschen wie «Mighty» Sam McClain gibt, die durch ihre entschlossene Nachfolge ein Vorbild sind. Auch mich hat er ermutigt. Dafür bin ich ihm dankbar.
(Artikel aus factum 03/2016)
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