Die neu beschriebene Art Cleonardo helga aus der Amphipodenfamilie Eusiridae. Dieses neun Millimeter grosse Männchen wurde unmittelbar nach dem Fang an Bord aufgenommen. © Nicole Gatzemeier/Senckenberg

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von Isabelle Kobe

Natur

Mehr Leben im Meer als vermutet

Ein internationales Forschungsteam unter Mitwirkung der Senkenberg Gesellschaft für Naturforschung hat im neu eingerichteten Tiefsee-Schutzgebiet «North Atlantic Current and Evlanov Sea basin» (NACES) die genetische Vielfalt und Verbreitung von Flohkrebsen untersucht und in einer Studie verblüffende Ergebnisse veröffentlicht.

Eine einzige Probenahme aus 3677 Metern Tiefe im NACES-Gebiet ergab bereits 47 genetisch unterscheidbare Arteneinheiten aus 98 Individuen. «Unsere Hochrechnungen deuten sogar darauf hin, dass dort über 120 Arten leben. Das zeigt: Selbst auf kleinem Raum ist die Artenvielfalt am Meeresboden überraschend hoch», so die Senckenberg-Meeresforscherin Prof. Dr. Saskia Brix und fährt fort: «Die meisten dieser genetischen Einheiten konnten keiner bekannten Art zugeordnet werden – viele sind vermutlich bislang unbeschrieben, also neu für die Wissenschaft.»

Flohkrebse (Amphipoden) sind kleine, garnelenähnliche Krebstiere, die in nahezu allen Meeres- und Süsswasserlebensräumen vorkommen und eine wichtige Rolle als Zersetzer organischer Substanz spielen.

Besonders erstaunlich: Die neu entdeckten Arten aus dem Schutzgebiet konnten auch in anderen Teilen der Welt nachgewiesen werden – etwa im rund 10 000 Kilometer entfernten Pazifik. Zwei davon hat das Forschungsteam nun wissenschaftlich beschrieben und benannt: Cleonardo helga und Cleonardo davinci (siehe Bilder).

CLSM-Aufnahme (konfokale Laserscanning-Mikroskopie) eines sechs Millimeter langen Männchens der Art Cleonardo davinci, gesammelt in der Clarion-Clipperton-Zone im Pazifik. © Anna M. Jażdżewska

«Dass wir genetische Übereinstimmungen mit Proben aus weit entfernten Ozeanregionen gefunden haben, zeigt: Offenbar sind manche Amphipoden sehr viel weiter verbreitet, als wir angenommen hatten», resümiert Brix. Die Studie kommt daher zum Schluss, dass die Biodiversität der Tiefsee bislang deutlich unterschätzt wurde.

Sogar winzigste Flohkrebse, verborgen in der Tiefsee, existieren in einer schier grenzenlosen Artenvielfalt. Weist diese Tatsache nicht einmal mehr auf die unendliche Kreativität eines Schöpfergottes hin?

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