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von bhw
Jubel in Israel über zweiten Platz beim ESC
Allen Israelboykotten zum Trotz gelang es Israel beim Eurovision Song Contest in Wien wieder, die Herzen der Zuschauer und Jury zu erobern, um knapp hinter dem Siegerland Bulgarien (Gewinner-Song «Bangaranga») den zweiten Platz zu belegen. Boykottiert wurde der ESC wegen des Vorwurfs des angeblichen Genozids Israels im Gaza-Streifen von Spanien, den Niederlanden, Irland, Slowenien und Island. Dass Israel sich gegen Massenmord und Geiselnahmen zu wehren erdreistet, können manche immer noch nicht verwinden.
Noam Bettan aus Israel trat mit der wunderschönen Pop-Ballade «Michelle» an, in der er eine zerbrochene Liebe besingt. Trotz der schädlichen Natur der Beziehung, spiegelt der Text eine bittersüsse Abschiedsstimmung wider. «Adieu ma belle / Je te laisse partir / Mais je t'aime» («Auf Wiedersehen, meine Schöne. Ich lasse dich gehen. Aber ich liebe dich»). Bettan richtet in dem dreisprachigen Lied (Hebräisch, Englisch, Französisch) auch eine Bitte an Gott, nämlich ihm Hoffnung zurückzubringen.
Noam Bettans Freude über den zweiten Platz war überwältigend: «Ich danke Gott für das Privileg, dass ich einen Moment der Einheit und Hoffnung für unser Land herbeiführen konnte», sagte er gegenüber i24 news. In Israel selbst war auf öffentlichen Plätzen, die die Live-Übertragungen gezeigt hatten, grenzenloser Jubel bei den Zuschauern ausgebrochen. Befragte Israelis sagten, sie wären «sehr positiv überrascht.» Präsident Isaac Herzog gratulierte Bettan: «Du hast uns bewegt, du bist einfach wundervoll». Israel-Aktivist Ivo Herzl aus Österreich sagte dem Sender i24, er habe die Atmosphäre in Wien insgesamt als positiv und willkommend gegenüber Israel empfunden. «ESC soll Inklusion, nicht Ausschluss sein», meinte er.
So sah das auch Bulgariens Gewinner-Sängerin Dara, die sich an die Seite von Noam Bettan stellte. Ihr Management kontaktierte vor dem Grand Finale den israelischen Journalistin Amit Harari, er solle betonen, dass Dara Israel online unterstützte und stolz wäre, an der Seite von Noam anzutreten. Leichte Störungen, wie Buh-Rufe, als Israel bei der Bewertung auf den zweiten Platz schnellte, gab es dennoch, und die Polizei nahm nahe der Veranstaltungsreihe 14 propalästinensische Aktivisten unter anderem wegen Verstössen gegen das Vermummungsverbot fest. Und linke Medien fanden den Fast-Sieg Israels mal wieder schwer nachvollziehbar, fast verstörend und problematisierten den Publikumserfolg.
Deutschland hat diesmal mit Platz 23 und dem «Fire»-Song von Sarah Engels haushoch verloren, der Schweiz gelang mit dem Song «Alice» von Veronica Fusaro gar nicht erst der Einzug ins Finale. Gerade aber Deutschland und die Schweiz sowie Finnland, Portugal, Aserbaidschan und Frankreich gaben Israel die Höchstwertung von 12 Punkten. Insgesamt zeugten die Länder-Beiträge dieses Jahr mehr von ihrer kulturellen Herkunft, mehr Folklore. Am politischsten war Kroatien: Die Sängerinnen von «Andromeda» erinnerten mit ihren christlichen Tätowierungen an Gesicht und Armen an den katholischen Widerstand der Frauen gegen den Islam während der osmanischen Herrschaft, die sich gegen Verschleppung und Zwangskonversion wehrten.
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