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von Carola Eissler
Israel-Museum feiert Jubiläum mit kompletter Jesajarolle
Der Anlass dazu ist das 60-jährige Bestehen des Israel-Museums. Am 15. Mai beging das Museum in Jerusalem zum zweiten Mal die Jubiläumseröffnung. Denn bereits am 23. Februar war die komplette 7,17 Meter lange Jesajarolle im Original anlässlich der Ausstellungseröffnung präsentiert worden. Als fünf Tage später der Irankrieg ausbrach, wurde die Rolle in Sicherheit gebracht (s.a. Museum zeigt Jesajarolle aus Qumran, factum 3/2026, S. 31). Jetzt haben Besucher vier Monate lang Zeit, die älteste komplette Abschrift eines Bibelbuches zu sehen. Allerdings müssen Zeitslots gebucht werden, da nur 25 Besucher gleichzeitig und dann nur zehn Minuten lang in den für die Schriftrolle speziell temperierten Raum eingelassen werden. Der menschliche Atem könnte die Rolle sonst schädigen.
Der Titel der Sonderausstellung lautet: «Die Stimme aus der Wüste: Die grosse Jesajarolle». Die kostbare Schriftrolle, die 1947 von einem Hirtenjungen in einer Höhle am Toten Meer gefunden wurde, ist in einer acht Meter langen Spezialvitrine ausgestellt. Die Qumran-Essener, eine religiöse Gemeinschaft, hatten ihre wertvolle Bibliothek 68 n.Chr. vor den anrückenden Römern in den Höhlen versteckt.
Für das jüdische Volk, für Christen und für die gesamte Menschheit gleichermassen ist der Fund vom Toten Meer von hoher Bedeutung. Die Schriftrolle belegt die Präzision, mit der biblische Bücher detailgetreu abgeschrieben und überliefert wurden. Denn bis zum Auffinden der Jesajarolle stammte die älteste bekannte Abschrift aus dem Jahr 1008. Der direkte Vergleich mit der grossen Jesajarolle, die durch ein radioaktives Verfahren auf 125 vor Christus datiert wurde, zeigte, dass die mittelalterlichen Abschriften nur minimalste Abweichungen enthielten und der gesamte Bibeltext des Propheten Jesaja hervorragend und zuverlässig überliefert war.
Einige der weltberühmten Schriftrollen vom Toten Meer sollten übrigens bereits 2019 in einer grossen Ausstellung in Frankfurt/Main gezeigt werden. Doch der Deal platzte. Die deutsche Bundesregierung wollte der Israelischen Altertumsbehörde IAA keine verbindliche Zusage geben, dass die historischen Bibelmanuskripte wieder zurückgegeben werden. Denn, so die Haltung der Bundesregierung damals, die Besitzverhältnisse seien ungeklärt, da auch die Palästinenser Anspruch auf die historischen Bibelschriften erheben würden.
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