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von Isabelle Kobe
Ich bestell mir ein Kind
Medienwirksam wurde dieses Ereignis von der Presse gefeiert. So titelte etwa «Bild»: «Babyglück bei Hendrick Streeck». Auch der frisch gebackene Papa, der mit seinem Mann in einer gleichgeschlechtlichen Ehe lebt, äusserte sich in einem emotionalen Statement: «Wir sind von Herzen überglücklich über die Geburt unseres Sohnes … plötzlich ist da noch einmal ein ganz neuer Sinn in unserem Leben.»
Leihmutterschaft ist weltweit ein Milliardengeschäft. Zu den grössten Märkten zählen unter anderem die Ukraine, Kanada und die USA. Das Kind von Streeck und seinem Mann wurde im US-Staat Idaho geboren.
Nun, wie kriegen zwei Männer ein Kind? In der Praxis läuft das so: Eine Frau spendet eine oder mehrere Eizellen, im Labor werden diese mit dem Samen eines der Wunschelternteile befruchtet, schliesslich wird die befruchtete Eizelle in die Gebärmutter einer Leihmutter eingesetzt. Kostenpunkt: je nach Anbieter, Land und individuellen Wünschen der Kunden ab etwa 50 000 bis 200 000 Dollar, medizinische Behandlung, Vermittlungsagentur, Anwalt sowie Entschädigung der Leihmutter inklusive. Ein lukratives Geschäftsmodell für finanziell gut betuchte Leute also, von der Ausbeutung der Leihmütter ganz zu schweigen. Und sollte diese Praxis, wie der Fall Streeck zeigt, im eigenen Land verboten sein, kommt man dennoch auf Umwegen zum ersehnten Wunschkind.
Dazu tragen auch international operierende Non-Profit-Organisationen wie «Men Having Babies» (MHB) bei, die offensiv Werbung für Leihmutterschaft betreiben, wie etwa an der in Berlin stattgefundenen Konferenz vom 8. bis 10 Mai 2026. Das Programm richtete sich an schwule Paare, Transpersonen und Singles, um ihnen den Weg zur Elternschaft zu ebnen. Wie IDEA berichtete, bot die Berliner Messe «ausdrücklich die Gelegenheit, mit Sponsoren und möglichen Partnern in Kontakt zu kommen, private Beratungsgespräche mit Agenturen zu vereinbaren, sich über finanzielle Unterstützung zu informieren und zu erfahren, wie man eine passende Agentur, Leihmutter und Eizellspenderin findet. Der Eindruck einer Verkaufsveranstaltung drängt sich auf…» Die «Aktion Lebensrecht für Alle» (ALfA) kritisierte denn auch die Veranstaltung scharf und forderte in einer Pressemitteilung den Berliner Senat auf, «alle rechtlichen Möglichkeiten gegen die kommerzielle Förderung von Leihmutterschaft auszuschöpfen». Auch die ALfA-Vorsitzende Cornelia Kaminski fand deutliche Worte: «Die beschönigende Rede von der Leihmutter verdeckt, dass hier ein Abhängigkeitsverhältnis entsteht, das dem Begriff näher kommt als irgendeiner Form von freier Entscheidung.» Und: «Frauen sind keine Mietkörper, Kinder keine Bestellware.» Tatsächlich, so IDEA ,»wird der Körper einer Frau für Monate ‹angemietet›: Die Vertragspartner bestimmen Aufenthaltsort, Lebensweise, Ernährung, medizinische Überwachung und oft sogar den Geburtsmodus.» Kurz: «Die Frau hat zu funktionieren, das Kind hat einen Zweck zu erfüllen – nämlich den Wunsch der Bestellenden nach Nachwuchs.»
Der eingangs erwähnte Begriff «Babyglück» ist schlicht verharmlosend und irreführend. Denn Prominente wie Hendrick Streeck kennen weder Schwangerschaft und ihre damit verbundenen Strapazen und Risiken noch mussten sie eine Geburt durchstehen. Und haben sie wohl eine Ahnung vom Schmerz der Mutter, der das Baby unmittelbar nach der Entbindung weggenommen wurde?
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