Uhr
von Thomas Lachenmaier

Natur

Wahrheit und Wissenschaft

Wissenschaft generiert nicht Wahrheit, sondern jeweils vorläufige Erkenntnis und «Modelle von Wahrheit». Dennoch gilt, dass dem Menschen Wahrheit zugänglich ist. Er ist wahrheitsfähig.

Die Wissenschaftshistorikerin Prof. Lorraine Daston erläuterte in einem Interview mit dem Wissenschaftsportal der «Gerda Henkel Stiftung», dass «unsere Art» (als Wissenschaftler), von Wissenschaft zu reden, «von Wahrscheinlichkeiten durchtränkt» sei. «Wir reden nicht mehr von Unwissen oder Sicherheit, wir reden über ein Spektrum von Graden von Wahrscheinlichkeiten.» Folgerichtig bezeichnete die Wissenschaftshistorikerin «Fehlerbewusstsein» als «die Essenz von Wissenschaft».  

Wissenschaft generiert nicht Wahrheit, sondern «Modelle von Wahrheit», wie Prof. Daston ausführt. Diese Modelle können überprüft werden, «sind aber nicht für die Ewigkeit». Solche Bescheidenheit ist sachlich geboten und eine gerade bei den bedeutenden Wissenschaftlern nicht selten anzutreffende Tugend. Wissenschaftliche Modelle von Wahrheit sind nicht nur jeweils Stand vorläufiger Erkenntnis, sie konkurrieren auch miteinander. Je nachdem, wie eine Studie angelegt, welche Prämissen zugrunde gelegt, welche Parameter herangezogen oder weggelassen werden und welche Fachdisziplin sich mit dem Gegenstand des Interesses befasst, werden die Ergebnisse sehr unterschiedlich ausfallen.

Deshalb ist es auch abwegig und aus wissenschaftstheoretischer Sicht lächerlich, zu behaupten, wissenschaftliche Erkenntnis sei eine Frage der Mehrheitsmeinung unter Wissenschaftlern. Weder die Wahrheit noch Modelle davon sind Ergebnisse eines demokratischen Prozesses oder einer Abstimmung. Als Einstein mit seiner Theorie nicht nur die Wissenschaftswelt verblüffte, war das gerade nicht die Meinung der Mehrheit, sondern eine einsame Stimme in der Wüste, die auch keineswegs gleich gehört wurde. Damals namhafte und inzwischen längst vergessene Wissenschaftler protestierten gegen Einsteins Theorie, die von der Mehrheit ja keineswegs geteilt wurde. Die Parole «Unite behind Science» (Vereint euch hinter der Wissenschaft), mit dem eine selbstgerechte Rasselbande von Kindern und Halbintellektuellen viel Lärm verursacht, zeigt nur, dass deren Weltbild keineswegs «wissenschaftlich» und darüber hinaus auch unvernünftig ist – und dass sie freitags doch lieber zur Schule gehen sollten. Gerade die Frage, ob die angenommene Erwärmung des Planeten vom Menschen verursacht sei, ist eine solche Frage, in der verschiedene Modelle von wissenschaftlicher Erkenntnis konkurrieren. Wie in der Bewertung der politischen Reaktionen auf das Coronavirus verschwindet diese Kontroverse nicht dadurch, dass sie sich in den Medien und in der Politik kaum widerspiegelt.

Hochkarätige Wissenschaftler verschiedener Fachdisziplinen sind der Meinung, dass der Lockdown als Reaktion auf das Coronavirus absehbar falsch und deshalb unverantwortlich war. Dass von Politik und Medien jene Wissenschaftler als Künder der reinen Wahrheit stilisiert und in eine Prophetenrolle gedrängt werden, die der gegenteiligen Meinung sind, sagt viel über die Politik und die Medien – aber wenig über die Aussagekraft der verschiedenen Wahrheitsmodelle aus.

Wissenschaft und die Wahrheit haben es unter den heutigen Gegebenheiten schwer, schreibt der Philosoph Prof. Daniel von Wachter, «der Korridor der erlaubten Meinungen ist eng geworden». Gerade in Deutschland bestehe ein enormer Druck, bestimmte Dinge nicht zu denken oder zu sagen, obwohl man sie für richtig hält, schreibt er. Der rationale Mensch bildet sich seine Meinung nicht, schreibt von Wachter, «indem er sich auf Autoritäten verlässt oder indem er der Mehrheit der Experten folgt, sondern indem er selbst über die ihm verfügbaren Daten nachdenkt».

Was ist das Gute an dieser bösen Entwicklung? Von Wachter: «Das ist eine gute Zeit, um Wahrheitsliebe, Mut und Tapferkeit zu beweisen, durch freimütiges Denken, Forschen, Reden und Handeln.» Dem Menschen ist die Sehnsucht nach Wahrheit und das Wissen, dass es Wahrheit gibt, ins Herz gelegt (vgl. Pred. 3,11). Das ist der Motor, der Wissenschaftler im besten Sinne antreibt, die dann auch keine Veranlassung zum Hochmut haben.

Wahrheit ist dem Menschen zugänglich, aber der Weg führt über eine demütige Haltung, lehrt die Bibel. Wer Gott um mehr als wissenschaftliche Erkenntnis über diese oder jene Frage bittet, wer ihn ernstlich um erlösende Wahrheit bittet: Der wird sie finden. Das ist die Frohe Botschaft.

Artikel aus factum 05/2020.

Zurück

Wir möchten eine klare christliche Stimme in unserer Gesellschaft sein - unabhängig, bibeltreu und aktuell.
Damit das gelingt, sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen.

Neue News

© shutterstock.com/Eletha15

Tatsachen und Täuschung

Die Hamas wird einer Entwaffnung niemals zustimmen. Im Gegensatz zu den Aussagen der Hamas-Vertreter in den Verhandlungen offenbaren ihre Verlautbarungen auf Arabisch die tatsächlichen Absichten. Auch die Autonomiebehörde (PA) steht fest zu ihren Plänen zur Vernichtung Israels.

[mehr] Tatsachen und Täuschung
© shutterstock.com/Firdi Arham
Glaube

«Ich will den Segen weitergeben»

Der Engländer Graham McCabe (61) verbrachte vier Jahre im Gefängnis. Mit factum sprach er über seine erstaunliche Bekehrungsgeschichte. Heute liegen ihm gebrochene Menschen am Herzen.

[mehr] «Ich will den Segen weitergeben»
© shutterstock.com/Lukas Gojda
Mensch

Vorboten des Terrors

Der Brandanschlag auf die Berliner Stromversorgung über den Jahreswechsel 2025/26 war kein blosser «Stromausfall», wie ihn manche Medien verharmlosten.

[mehr] Vorboten des Terrors

Mehr entdecken

ethos – Glaube. Schöpfung. Welt.

Neben factum gibt der Schwengeler Verlag eine weitere Zeitschrift heraus. ethos macht Mut, informiert über Zeittrends und erleichtert die Meinungsbildung. Die Familienzeitschrift erscheint 12-mal jährlich und spricht alle Altersgruppen an. Das Evangelium von Jesus Christus steht im Zentrum und bringt damit die Frohe Botschaft mitten ins Leben.

open hands – Hoffnung, die hilft.

Die christlich-soziale Osthilfe unterstützt Menschen in
Rumänien – praktisch, herzlich und im Vertrauen auf
Gottes Wort.