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von Dr. Heinz Gstrein
Wachsender Einfluss des Islam
Die als Mutter Teresa bekannte Ordensschwester und Missionarin wird in der Republik Nord-Mazedonien von vielen Menschen verehrt. Als Anjeze Bojaxhiu wurde sie 1910 in Üsküb geboren, wie Skopje damals unter türkischer Herrschaft noch hiess. Als sie 1979 für ihr Wirken in Indien den Friedensnobelpreis erhielt, waren Mazedonien und Albanien noch unter kommunistischer Herrschaft. Niemand interessierte sich für ihre albanische Abstammung. Das änderte sich nach der Wende und Mutter Teresas Tod von 1997: Albanien hat den Flughafen von Tirana nach ihr umbenannt und einen Mutter-Teresa-Orden gestiftet. In Kosovos Hauptstadt Prishtina steht eine ihr gewidmete Kathedrale. Im Heimatland Mazedonien erinnern das Mutter-Teresa-Denkmal und -Gedenkhaus von Skopje an sie. Doch mit dem wachsenden Einfluss des Islam verändert sich etwas. Im Frühjahr wurde das Denkmal in Skopje beschmiert. Am Mutter-Teresa-Haus tauchten Plakate auf, die den Abriss des Gebäudes und ein Ende der Verehrung dieser «Ungläubigen» verlangten. Nur eine muslimische Albanerin sei eine wahre Albanerin!
Die in Albanien bekannte Enthüllungsjournalistin Arbana Xharra und ihr Kollege Xhelal Neziri wurden bei ihren Recherchen über die Ursachen dieser Kampagne gegen die Erinnerung an Mutter Teresa auf die Botschaft der Türkei und die türkischen Auslandsschulen in Mazedonien aufmerksam. Türkische Diplomaten und Lehrer aus Ankara haben massgeblichen Einfluss auf die albanischen Medien und Parteien gewonnen. Sie propagierten den Islam als einzig angestammte Religion der Albaner, den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan als ihren eigentlichen politischen Führer. Das Ziel türkischer Politik sei eine Islamisierung des ganzen Balkans unter albanischer Führung und praktisch türkischer Oberhoheit, berichten die Journalisten. Die Agitation gegen Mutter Teresa sei nur die Spitze dieses Eisbergs. Wie stark der türkisch-islamistische Einfluss in Skopje bereits geworden ist, erlebten Xharra und Neziri, als sie ihre Enthüllungen in mazedonischen Medien veröffentlichen wollten. Keine Zeitung, kein Sender getraute sich, ihre Berichte abzudrucken. Die von den Journalisten gesammelten Informationen konnten nur im Ausland, in der führenden griechischen Tageszeitung «Kathimerini» (Tagblatt), veröffentlicht werden. Nach ihren Enthüllungen wurde Arbana Xharra mit dem Tode bedroht. Anfang Mai wurde sie von einem Unbekannten überfallen und krankenhausreif geschlagen.
Artikel aus factum 06/2018
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