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von Siegbert Riecker

Glaube

Verborgene Schätze

Überraschende Entdeckungen im Buch der Bücher

«Fürwahr, du bist ein verborgener Gott, du Gott Israels, der Heiland» (Jes. 45,15). Martin Luther begründet hier seine berühmte Gotteslehre: In Jesus begegnet mir Gott als «offenbarter Gott», die gnädige Seite Gottes; diesen Gott kann ich verstehen, ihm kann ich vertrauen. Aber es gibt auch eine rätselhafte Seite Gottes, die mir Angst macht: den «verborgenen Gott», deus absconditus, zornig und richtend.

Luther hat zwar grundsätzlich recht. Was jedoch überrascht: Jesaja verkündet hier gar kein Gericht, sondern Heil. Er redet auch nicht über Gott. Er betet zu Gott: «du bist ...». Gott scheint zwar manchmal unerreichbar, aber eine Verbindung bleibt immer: das Gebet im Glauben. Die zweite Überraschung: Der verborgene Gott ist der Heiland, der Retter. Jesaja durchbricht hier den üblichen Kreislauf des Alten Testaments: Das Volk sündigt, Gott straft, dann kehrt es um, Gott ist wieder der Alte und alles ist «in Butter». Doch Gott hat einen anderen Plan. Er weiss, dass der Mensch seine Klugheit immer nutzen wird, um seine Sünde zu rechtfertigen. Er weiss, dass der Mensch ihn nur dann anerkennt, wenn er ihn durch seine Wunder beeindruckt (und selbst dann nicht immer). – Und er hat es satt. Darum bleibt er verborgen. Und trotzdem rettet er. Er rettet durch fremdartige und seltsame Werke (Jes. 28,21): eine armselige Geburt, ein heimat- und mittelloser Wanderprediger, der Tod eines Verfluchten am Kreuz, die Torheit des Evangeliums und eine verfolgte und verachtete Gemeinde von Schwachen und Armen – inmitten einer Welt, in der es nur darum zu gehen scheint, gross, reich und berühmt zu werden.

Meldung aus factum 04/2023

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