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von Thomas Lachenmaier

Glaube

Türkei: Letzter Akt der Entchristlichung?

Die Lage der in der Türkei verbliebenen Christen verschlechtert sich zusehends, berichtet der Zentralrat der Armenier in Deutschland (ZAD). Offensichtlich geht der Staatsapparat auf Anweisung von Präsident Erdogan neuerdings verstärkt nicht nur gegen seine kurdischen, sondern nun auch gegen seine nicht islamischen Minderheiten vor.

Die zwangsweise Absetzung der christlichen Bürgermeisterin von Mardin (82 000 Einwohner), Februniye Akyol (Bild), im November war ein Warnsignal. Es galt allen Christen des Landes, so der ZAD. Akyol war die einzige christliche Bürgermeisterin in der Türkei. Zuvor gab es nur einmal einen Christen als Bürgermeister: Sükrü Tutus aus Idil (Beth Zabday), unweit von Mardin. Er war vor seinem Haus erschossen worden. Akyol wurde auf den Namen Fabronia Benno getauft. Ihren christlich-aramäischen Namen darf sie nicht tragen, das türkische Gesetz schreibt vor, dass jeder Türke einen türkischen Namen haben muss.

Die Turkologin und Autorin Susanne Güsten konstatiert eine «anhaltende Misere des türkischen Umgangs mit den christlichen Minderheiten». Sie rechnet mit einer neuen Welle von Repressionen. Nachdem die Christen in Syrien und Irak weitgehend ausgelöscht oder vertrieben wurden, befürchtet sie, dass die Flüchtlinge, die es in die Türkei geschafft haben, dort weiter verfolgt werden. Den Völkermord von 1915 an den christlichen Minderheiten hat die Türkei bis heute nicht anerkannt. Der ZAD-Vorsitzende Schawarsch Owassapian: «Wenn wir die Leugnung als die letzte Stufe eines Genozids definieren, dann ist klar, dass wir uns nach wie vor auf dieser Stufe der Vernichtungsstrategie befinden und dass wir uns um Leben und Gesundheit unserer Leute Sorgen machen müssen.»

Mardin ist die Hauptstadt der urchristlichen Region Tur Abdin. Bis zum Völkermord der Muslime an Armeniern und Aramäern vor hundert Jahren lebten hier vor allem Christen, die die Sprache Jesu sprechen. Heute sind die Christen eine winzige Minderheit. Jetzt fliehen viele von ihnen nach Europa.

(Artikel aus factum 1/2017)

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