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von Carola Eissler
Top-Diplomat Lambsdorff neuer deutscher Botschafter in Israel
Mit einem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem hat Alexander Graf Lambsdorff seine Amtszeit begonnen. Anschliessend besuchte er die Gemeinden am Gaza-Streifen, die am 7. Oktober 2023 vom Massaker der Hamas und palästinensischer Zivilisten am stärksten betroffen waren, ebenso wie das Gelände des Nova-Festivals. Lambsdorff zeigte sich in einem Post der Deutschen Botschaft tief bewegt von den Begegnungen mit Überlebenden des Massakers.

CC Von-Superbass / Eigenes-Werk
Deutschlands besondere Verantwortung
Der 59-jährige Top-Diplomat ist ein überaus erfahrener, sprachgewandter Aussenpolitiker. Er war seit August 2023 Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Russland, zuvor Mitglied des Deutschen Bundestages für die FDP und 14 Jahre lang Mitglied des Europäischen Parlaments. Lambsdorff sagte in Yad Vashem, der Besuch erinnere ihn an die besondere Verantwortung Deutschlands gegenüber dem jüdischen Volk und dem Staat Israel. Nach dem Rundgang durch die Gedenkstätte traf der neue Botschafter den Vorsitzenden von Yad Vashem, Dani Dayan. Die Bundesrepublik fördert in besonderem Masse die Gedenkstätte für die sechs Millionen jüdischen Opfer der Shoa. Laut Angaben des Auswärtigen Amtes werden bis 2030 jährlich fünf Millionen Euro in Yad Vashem für Forschung, Dokumentation, Bildungs- und Erinnerungsarbeit investiert.
Lambsdorff, Neffe des einstigen deutschen Wirtschaftsministers Otto Graf Lambsdorff, hatte sich bereits vor seinem Amtsantritt in einer Videobotschaft an das israelische Volk gewandt und in seiner Rede die aussergewöhnlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel gerade aus der schmerzhaften Geschichte heraus hervorgehoben. Sein Ziel als neuer Botschafter sei es, die Beziehungen beider Länder weiter zu intensivieren und die Zusammenarbeit auszubauen.
Freund und Verteidiger des jüdischen Staates
Lambsdorff trat in der Vergangenheit stets als Freund und Verteidiger des jüdischen Staates auf. Er war Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag. Laut der «Jüdischen Allgemeinen» sah Lambsdorff bislang in der palästinensischen Führung um Mahmud Abbas keinen verlässlichen Partner für Frieden in der Region und zeigte sich mit Tweets und Aussagen immer wieder als Freund und Unterstützer Israels. Dennoch: Kritiker halten dem FDP-Politiker vor allem vor, dass er das 2015 geschlossene und danach gescheiterte Atomabkommen (JCPOA) zwischen westlichen Staaten, darunter Deutschland, und dem islamischen Regime in Teheran unterstützt hat.
Eine Zeit grosser Herausforderungen
Lambsdorffs Amtsbeginn findet in einer angespannten Zeit zwischen Israel und der Europäischen Union respektive Europa statt. Da ist zum einen die Welle von Antisemitismus in allen europäischen Staaten, zum anderen die Kritik der EU am Gaza- und Iran-Krieg Israels. Laut dem neuesten Bericht des «Research and Information Centre on Antisemitism (RIAS)» gab es 8725 antisemitische Straftaten allein im Jahr 2025 in Deutschland, das sind 24 Straftaten jeden Tag. Die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher sein. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, warnt davor, den in Deutschland grassierenden Antisemitismus als die neue Normalität zu akzeptieren.
Die wachsende Bedrohung für Juden und jüdisches Leben in Deutschland dürfte auch für den neuen Botschafter Alexander Graf Lambsdorff eine grosse Herausforderung sein. In Israel jedenfalls zeigt man sich froh über die Neubesetzung dieser überaus bedeutenden Botschafter-Stelle mit einem ausgewiesenen, hochintelligenten Top-Diplomaten, wie aus internen Kreisen verlautet.
Vorgänger Steffen Seibert, ein Quereinsteiger ohne diplomatische Erfahrung, hatte durch sein mitunter gegen Israel gerichtetes, pro-palästinensisches Verhalten und entsprechende Äusserungen und Tweets vor allem am Ende seiner Amtszeit viel Porzellan in den deutsch-israelischen Beziehungen zerschlagen.
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