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von factum-Redaktion
Sorge und Zuversicht
Necati Aydin, Ugur Yüksel und Tilmann Geske waren am 18. April 2007 ermordet worden. In einem Gedenkgottesdienst in Istanbul erinnerte Behnan Konutgan, Präsident des türkischen Zweigs des Martin Bucer Seminars, daran, dass Christen gemäss Off. 12,11–12 immer bereit sein müssten, für ihren Glauben zu sterben: «Wir wissen, dass die Gemeinde Christi auf dem Blut der Heiligen erbaut wird.»
Susanne Geske, Ehefrau des ermordeten deutschen Missionars, sagte, der Schmerz sei heute derselbe wie damals. Manchmal denke sie darüber nach, wie es wäre, wenn Tilmann seine Kinder hätte heranwachsen sehen können. Sie berichtete davon, wie sie die Kraft des Gebets und der Fürbitte erlebt habe. «Wir können Gott wirklich vertrauen, er hat uns durchgetragen.» Susanne Geske hatte den Tätern unmittelbar nach der Tat öffentlich vergeben. Das habe «mehr Auswirkungen gehabt als hundert Missionare», berichtete Behnan Konutgan.
Rakel Dink, die Witwe des am 19. Januar 2007 in Istanbul auf offener Strasse erschossenen armenischen Publizisten Hrant Dink, berichtete in dem Gottesdienst über die Zeit nach der Ermordung ihres Mannes. Die schwierigste Frage nach dem Mord sei die ihrer Kinder gewesen. Sie hätten gefragt, warum das geschehen sei. Und: «Du hast doch Jesus vertraut?» Sie habe so antworten wollen, dass der Glaube ihrer Kinder erbaut werde, sie aber auch ehrlich sei. So habe sie zu Gott um Antworten gebeten. Gott habe sie dann an Psalm 103,12 erinnert: «So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsere Übertretungen von uns sein.» Und an 1. Korinther 13,12: «Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.» Diese Texte der Hoffnung habe sie an ihre Kinder weitergegeben.
In der einstmals christlichen Türkei leben nach der Islamisierung heute nur noch 1,5 Promille Christen. In 30 von 81 Bezirken gibt es keine evangelischen Gemeinden. Die Zahl der evangelischen Christen habe in den vergangenen zehn Jahren landesweit aber zugenommen, berichtet die Organisation Silas Ministries. Seit 2007 habe sich die Zahl von 3000 auf ca. 6000 verdoppelt. Die Zahl der Gemeinden sei von 100 auf 150 gestiegen. Die aramäischen Christen in der Türkei befürchten nach dem Referendum weitere Diskriminierungen und eine Zunahme der Willkür gegen Christen. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) teilt diese Erwartung. Es sei abzusehen, dass sich Erdogan bei wirtschaftlichen oder anderen Problemen passende Sündenböcke suchen werde. Der Präsident verweigere Christen, Kurden, Aleviten, Jesiden und anderen Minderheiten die Gleichberechtigung. Seine Regierung versuche mit rücksichtsloser Gewalt, Kurden und andere Minderheiten in die Bedeutungslosigkeit zu treiben.
(Artikel aus factum 4/2017)
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