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von Thomas Lachenmaier
Land ohne Mass und Mitte
Ende Januar gab es zwei sehr erhellende Begebenheiten. Das eine ist, dass Angela Merkel es abgelehnt hat, den Ehrenvorsitz der CDU zu übernehmen. Die CDU hatte ihr das angetragen. Das Zweite ist, dass sie es ablehnte, sich mit Friedrich Merz zu einem Abendessen zu treffen, was von der Partei als ein Zeichen der Versöhnung der Ex-CDU-Vorsitzenden mit dem Mann gedacht war, den sie in der Vergangenheit mit Erfolg behindert und dessen Einfluss in der Partei sie marginalisiert hatte. Dass Merkel diese Geste ablehnt, ist eine Brüskierung nicht nur von Merz, sondern für die ganze CDU. Der Kommentator Ferdinand Knauss schreibt auf Tichys Einblick1: «Das ist noch weniger als Verachtung für den Mann, den sie schon so oft gedemütigt hat.» Sie demütigte mit ihrer Absage «aber auch die ganze Partei», schreibt Knauss.
Dass die Frau, die Deutschland in ihrer Amtszeit so radikal verwandelt hat wie kein Kanzler vor ihr, noch nicht einmal pro forma den Ehrentitel der CDU annehmen will, zeigt in drastischer Deutlichkeit, dass ihr die Partei nicht mehr als nichts bedeutet. Das war aber nie anders. Zu Beginn ihrer politischen Karriere war es eben die CDU, die ihr Karrieretüren geöffnet hatte, nicht die SPD, wo sie zuerst angeklopft hatte. Die CDU war für Merkel nur das Instrument, an die Macht zu kommen, Einfluss auf Deutschland zu gewinnen. Sie hat die Partei geentert und von innen heraus entkernt. Aus einer einstmals konservativen Partei der politischen Mitte hat sie eine private Organisation ohne eigenes politisches Profil zu ihrem persönlichen Machterhalt gemacht. Die CDU spielt als konservativ-mittige politische Kraft keine Rolle mehr. So konnte Merkel eine Politik durchsetzen, die lange vor ihrer Zeit von Grünen und Linken gefordert wurde. Sie hat die CDU eigentlich zerstört.
1 www.tichyseinblick.de/kolumnen/knauss-kontert/angela-merkel-demuetigt-friedrich-merz-und-die-ganze-cdu/
Lesen Sie den ganzen Kommentar in factum 02/2022
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