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von factum-Redaktion
«Geh hin zur Ameise, sieh ihre Wege»
Forscher fanden heraus,1 dass die Insekten das ohne Kommunikation auf Ebene der Gruppe bewerkstelligen. Diese Anpassung an unvorhersehbare Umweltbedingungen ist das Ergebnis der Wahrnehmung und der Entscheidungen von einzelnen Ameisen.
Ameisen der Art «Eciton burchelli» formieren sich auf geneigten Flächen selbst zu lebenden Hilfsstrukturen. Schnell bilden sie als Reaktion auf Störungen Gerüste und verhindern so, dass Tiere auf schwierigem Terrain ausrutschen und fallen. Sie bewältigen so Verkehrsbehinderungen und vermeiden Beuteverluste. Jede der Ameisen handelt auf der Basis ihrer eigenen Erfahrungen. Die Forscher beschreiben den Mechanismus als «einfach, aber effektiv». Sie gehen davon aus, dass er als Inspiration für künstliche Systeme dienen kann – von autonomen Fahrzeugen bis hin zu zukünftigen Formen flexibler Infrastrukturen, die sich selbstständig an wechselnde Bedingungen anpassen.
Da die Komplexität menschlicher, technischer und sozialer Systeme zunimmt, ist es entscheidend, Mechanismen zu finden und zu implementieren, die Fehler zuverlässig und schnell korrigieren und so die Systemstabilität erhöhen. Das Beispiel der Gerüstbildung bei Eciton Wanderameisen bietet einen solchen Mechanismus. Aufgrund seiner Einfachheit – es werden ausschliesslich Informationen über den Zustand der einzelnen Elemente benötigt, statt komplexer Kommunikation auf Gruppenebene – könnte er als Blaupause für robuste und dennoch flexible technische Systeme mit ähnlichen Formen verteilter, sprich dezentraler Kontrollstrukturen dienen. «Das reicht von der Schwarmrobotik, wo Einschränkungen der Sensorik und Kommunikation limitierende Faktoren sein können, bis hin zur Entwicklung von selbstheilenden Materialien, Biofabrikationstechniken und neuen Modellen einer reaktionsfähigen Infrastruktur», so einer der beteiligten Wissenschaftler.
Von der Ameise zu lernen, die auch ohne kollektive Kommunikation oder Abstimmung Herausforderungen bewältigt, lehrt schon die Heilige Schrift: Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh ihre Wege an und werde weise! Wenn sie auch keinen Fürsten noch Hauptmann noch Herrn hat, so bereitet sie doch ihr Brot im Sommer und sammelt ihre Speise in der Ernte» (Spr. 6,6).
1 https://www.pnas.org/content/118/17/e2013741118
Meldung aus factum 04/2021
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