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von Thomas Lachenmaier
«Eine Energiewende findet nicht statt»
Im Jahr 2020 trugen Erneuerbare weltweit 12,6 Prozent zur Deckung der Energienachfrage bei. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor, 2009, war der Anteil mit 10,6 Prozent nur unwesentlich geringer. Am gesamten Energieverbrauch hat der Stromanteil mit 17 Prozent vergleichsweise geringen Anteil. Die Wachstumsraten bei Wind- und Solarenergie spielen für die Gesamtbilanz eine untergeordnete Rolle. «Eine Energiewende findet nicht statt», konstatiert das Netzwerk REN21, welches unter anderem von Deutschland, den USA und der EU, der OECD und dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen unterhalten wird.
Für den «Statusreport» bewerteten 650 Experten Zahlen aus 2000 Quellen. Zu den ernüchternden Tatsachen gehört, dass der 12,6-Prozent-Anteil vor allem mit Biomasse erzielt wird. Diese Art der Energieerzeugung steht in der Kritik. Dass weltweit gigantische Ackerflächen zur Energiegewinnung genutzt werden, und dass es sich dabei zudem um Nahrungspflanzen wie Mais, Raps, Soja, Palmen, Sonnenblumen und Zuckerrüben handelt, fördert den Hunger in der Welt. Der Anbau von Energiepflanzen verschärft die Konkurrenz um Ackerflächen, sie werden teurer. Nahrungsmittel werden zudem teurer, weil weniger angebaut werden, da Flächen ja für Energiepflanzen belegt sind.
In Deutschland ist die Windkraft zur Deckung des Primärenergiebedarfs vernachlässigbar. Sie hat der Studie zufolge nur 3,4 Prozent Anteil, Fotovoltaik 1,4 Prozent. Dass viele Menschen ein völlig anderes Bild von der Lage haben, liegt am «Framing», an der interessegeleiteten Begrifflichkeit und Darstellung der Tatsachen, was man auch als «Lügen für Fortgeschrittene» bezeichnen könnte. Wenn Politiker nun den Ausbau von Windenergie als rasch wirksames Mittel zur Erlangung der Energieunabhängigkeit von Russland bezeichnen, dann ist das vor dem Hintergrund der realen Zahlen eine krasse Unwahrheit. Die Gaspreise erreichten in Europa und Asien bereits im Juni das Zehnfache des Vorjahres, in den USA das Dreifache. Windkraft und Wasserkraft, für die jeweils ein grosser ökologischer Preis zu bezahlen sind, werden auf absehbare Zeit keine grosse Rolle bei der Versorgung der Menschen mit Energie haben. Der Anteil der fossilen Energien sank in einem Jahrzehnt nur um sechs Prozent, von 68 auf 62.
Meldung aus factum 05/2022
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